Umwelt: Ärger am Berliner Müggelsee – Senat plant Verbot-Zonen für Segler

Sperrungen auf Schümann Revier

Die Berliner Segler müssen zum Jahresbeginn einen Schock verkraften. Pläne des Senats sehen vor, dass wegen Umwelt-Auflagen ein Drittel des Müggelsees gesperrt werden soll.

Müggelsee

Der Müggelsee, Heimatrevier einiger der besten Segler Deutschlands. © Stadtentwicklung Berlin

Die angedachte Verbot-Zone erstreckt sich am südlichen und westlichen Ufer des Sees über einen bis zu 500 Meter breiten Bereich (Skizze). Das beschränkt das Fahrtgebiet auf dem mit 4,3 Kilometern Länge und 2,6 Kilometern Breite größten Berliner See enorm.

Berliner Zeitungen berichten, dass die Senatsumweltverwaltung Anfang Dezember 2014 zu einer Beteiligungswerkstatt aufgerufen hatte, bei der Bürger mit Fachleuten über das ökologische Entwicklungskonzept für den Müggelsee diskutieren konnten. Unter anderem entspreche die Wasserqualität nicht den EU Richtlinien. Deren Vorgaben müssen unter Androhung einer Vertragsstrafe europaweit in den nächsten beiden Jahren umgesetzt werden.

Für die Segler am Müggelsee wären die Sperrungen eine Katastrophe. Sieben Segelvereine mit rund 900 Mitgliedern nutzen das Revier, das mit seiner ovalen Form beste Bedingungen für jede Windrichtung bietet. Abdeckungszonen sind wenige vorhanden. Im Jahr finden 30 teilweise sehr hochklassige Segelwettbewerbe statt, die durch die räumlichen Einschränkungen wohl nicht mehr ausgetragen werden können.

An dem nur acht Meter tiefen See ist mit dem Yacht Club Berlin-Grünau (YCBG) einer der erfolgreichsten deutschen Segelvereine ansässig. Jochen Schümann begann hier seine Karriere. 35 Mal starteten Mitglieder des Clubs bei Olympia. Drei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille bei Olympia kamen dabei heraus.

165 Mal standen Segler des Clubs bei Olympischen Spielen, Welt- oder Europameisterschaften auf dem Treppchen. Ohne das perfekte Trainingsrevier wären die Erfolge nicht möglich. Nach wie vor trainieren Kadersegler auf dem Müggelsee. Und der YCBG ist einer der stärksten Vereine in der Segel-Bundesliga.

Die angedachten Sperrmaßnahmen erscheinen umso unverhältnismäßiger, angesichts des permanenten Ärgers um die geplanten Flugrouten des neuen Hauptstadt Flughafens. Sie verlaufen direkt über dem Müggelsee durch Natur- und Vogelschutzgebiete und werden auch schon von der EU-Komission bemängelt. Anwohner erwarten ohrenbetäubenden Lärm durch Passagiermaschinen über dem See und tonnenweise Kerosinasche, die in das Wasser rieselt.

Tipp: SR-Leser Matthias Riese

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Ein Kommentar „Umwelt: Ärger am Berliner Müggelsee – Senat plant Verbot-Zonen für Segler“

  1. Das Problem ist weniger die Einrichtung des Schutzstreifens sondern viel mehr der Ort. Da von Müggelhort bis zur Müggelspree eine ausgetonnte Rinne besteht, können Regatten meist nur einen Teil des Sees nutzen und i.d.R. wird dazu der südliche Teil genutzt, da die Wassertiefe auf dem nördlichen Teil wesentlich geringer ist und bisher auch die Fläche südl. der Fahrrinne größer war.

    Allerdings sehe ich noch nicht, dass dieser Vorschlag so auch umgesetzt wird, da sich die Wassersportler ( Segler, Ruderer, Kanuten etc.) bisher noch nicht in das Mediationsverfahren eingeschaltet haben. Erst diese Pläne haben sie aufgeschreckt : http://sgam-friedrichshagen.de/news/topic/article/1420394068.htm und ich nehme an, dass die Pläne wohl noch stark geändert werden – z.B. durch Ausweisung eines Schutzstreifens an der 2m Linie (anstatt auf der 5..6m-Linie im südlichen Bereich), womit insbesondere im nördlichen Teil recht große Flächen “beschilft” werden könnten.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *