Mini Pornichet Select: Jörg Riechers auf Rang 2 – starke Basis für Einhand-Meisterschaft

„Wer nicht segelt, existiert nicht!“

Pornichet Selevct, Jörg Riechers, Mini 6.50

Klasse zweiter Rang für Riechers beim Einhand-Auftaktrennen zur französischen Meisterschaft © pornichet select

Status Quo des deutschen Einhandseglers: Mini-Segeln bis zum Abwinken und das bitteschön möglichst erfolgreich. Die IMOCA kann warten.

Unter den immerhin 17 von der „Classe Mini“ ausgeschriebenen Regatten (Atlantik und Mittelmeer), ist die „Pornichet Select“ so etwas wie ein Klassiker. Als eines der ersten Einhand-Rennen der Saison in der boomenden Klasse der kleinen, hochseetüchtigen Flitzer, werden hier erste wichtige Akzente für die „Einhand-Meisterschaft „Course au Large“ Mini 6.50“ gesetzt. Ein mehr als prestigeträchtiger Wettbewerb unter den Ministen: Wer dabei ganz vorne mitsegelt, darf sich höchster Akzeptanz der besten Hochseesegler der Welt sicher sein.

Die Regatta führt über 300 (theroretische) Seemeilen von und nach Pornichet (bei St. Nazaire) entlang der bretonischen Küste und der Inseln Groix (vor Lorient) und Belle Ile (vor Quiberon). Die Strecke gilt als zu kurz, um es zeitweise mal „zen“ angehen zu lassen und als zu lang für einen Sprint, bei dem man nebenwirkungsfrei ohne Schlaf auskommen kann. Außerdem sorgen Abdeckungen und Strömungen zwischen den Inseln für die nötige strategische und taktische Würze. Obwohl Langeweile in dem traditionell sehr stark aufgestellten Feld eigentlich nie aufkommt.

Fokus auf Meisterschaft im Mini

Dass sich nun Jörg Riechers gestern bei dieser Regatta mit seinem Scowbug-Prototypen „Lilienthal“ auf dem zweiten Rang platzieren konnte, mag auf den ersten Blick nichts Besonderes sein. Immerhin hat Riechers bei der legendären Mini Transat – dem Olymp der Ministen – im Herbst letzten Jahres auf dem selben Boot ebenfalls einen zweiten Rang erreicht. Der insgesamt natürlich deutlich höher zu bewerten ist. Doch für Riechers ist der zweite „Select“-Rang vor allem ein Bilderbuchauftakt für sein erklärtes Ziel in der Mini-Klasse dieses Jahr: Er will die erwähnte Mini-Einhand-Meisterschaft in der Prototypen-Klasse gewinnen. Und für genau dieses Vorhaben hat er mit dem zweiten Select-Rang eine hervorragende Ausgangsbasis geschaffen.

Pornichet Selevct, Jörg Riechers, Mini 6.50

Riechers freut sich, dass die Lilienthal weiter gut mithält in der Proto-Spitze © pornichet Select

Wer sich jetzt fragt, warum eigentlich ein Jörg Riechers, der mit seinem Offshore-Team-Germany immerhin schon eine IMOCA-Kampagne angekündigt hat, überhaupt noch auf dem Mini segelt – so spaßig und rasant sowas ja auch sein mag – der sollte sich eine Eigenart der (französischen) Hochseeszene vor Augen halten. Denn dort gilt:

 Wer nicht segelt, existiert nicht

Selbst nach einer tollen Platzierung bei einer Prestige-Regatta wie der Mini-Transat sollte niemand den Fehler begehen, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Denn man steht permanent unter Beobachtung, wird im Dauerzustand eingeschätzt und ist somit Teil eines mentalen Spiels, bei dem es auch darum geht, potentiellen Konkurrenten oder vielleicht Geschäftspartnern eine kontinuierliche Leistung und somit Stärke zu zeigen. So kann es durchaus sein, dass man sich in vermeintlich niedrigeren (aber akzeptierten) Bootsklassen für „Größeres“ qualifiziert. Ganz so, wie Riechers das ja auch schon vor Jahren mit seiner Mare-Kampagne gemacht hatte, als er sich mit hervorragenden Mini-Leistungen (u.a. 2010 Sieg bei der erwähnten Einhand-Meisterschaft) für die IMOCA-Szene empfahl. Und dort „Fuß“ fasste, sogar schon ein Boot zur Verfügung hatte, bis der Titelsponsor kurzfristig abwinkte und die Szene verließ.

 

Pornichet Selevct, Jörg Riechers, Mini 6.50

Sehr flauer Start © pornichet select

Auf SR-Anfrage freute sich Jörg Riechers jedenfalls vor allem darüber, dass er mit seiner „Lilienthal“ weiterhin bei den richtig schnellen Booten mithalten kann. So wird deutlich, dass es bei aller technischen Finesse doch wieder auf die seglerischen Leistungen ankommt. „Echt super war beim Select, dass ich zum ersten Mal die bislang alles beherrschende „865“ (ehemals „Griffon“, heute „Offshoresailing) schlagen konnte. Und das auch noch bei teils sehr leichten Winden – ein Wetter, bei dem die „Lilienthal“ eigentlich nicht so richtig schnell ist.“ Er werde sich jedenfalls den Termin im Kalender anstreichen, sagte Jörg. Auch wenn die „865“ nicht vom Überflieger Ian Lipinski, sondern von Francois Jambou gesegelt wurde, zeigte sie jedoch wieder enormes Potential. „Ich hatte eigentlich „nur“ mit einem dritten Platz gerechnet,“ gibt Jörg Riechers zu. „Aber zwischen den beiden Inseln Groix und Belle Ile konnte ich auf den letzten Meilen mit einem Kurs etwas näher unter Land eine Entscheidung herbei führen.“ Zwar ist der Abstand zum Erstplatzierten Erwan le Mené mit knapp zwei Stunden noch ziemlich deutlich, doch wiederum nicht uneinholbar, wie Jörg Riechers klar stellt.

Volvo oder nicht Volvo, das ist hier die Frage

Riechers nächste Regatta wird die Mini en Mai sein, bei der er wieder um die Meisterschaft kämpfen wird. Diesjähriger Saisonhöhepunkt im Mini wird für den 49-Jährigen wohl „Les Sables – Azoren – Les Sables“ sein.
Ob er denn dieses Jahr überhaupt nicht auf dem OTG-IMOCA trainiere, wollen wir noch wissen. Schließlich stehe die IMOCA in ihrer portugiesischen Werft kurz vor der Vollendung ihres Refittings „Ich konzentriere mich auf eine weiterhin erfolgreiche Mini-Saison“ sagt Riechers. „Wie das mit der IMOCA weitergeht, nachdem das Barcelona World Race, für das wir ja schon gemeldet waren, abgesagt wurde, ist zunächst stark davon abhängig, ob das Volvo Ocean Race in Zukunft mit IMOCA gesegelt wird.“ Eine Entscheidung, die laut französischen Insiderkreisen schon in Kürze fallen dürfte. (SR-Bericht)

Starkes „Pornichet Select“-Ergebnis auch von Chris Lükermann in der Serien-Wertung. Der Mini Transat-Teilnehmer von 2015 segelte auf seiner Pogo 3 in dem überaus stark besetzten Feld aus 61 Booten auf Rang 28. Chapeau!

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Michael Kunst

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4 Kommentare zu „Mini Pornichet Select: Jörg Riechers auf Rang 2 – starke Basis für Einhand-Meisterschaft“

  1. avatar Kerstin sagt:

    Super Leistung! Glückwunsch!!

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  2. avatar Sven 14Footer sagt:

    Ich freue mich, dass Jörg wieder aktiv mitmischt und er nichts verlernt hat.

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  3. avatar Friedrich sagt:

    Top!!!

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  4. avatar Andreas Borrink sagt:

    Wieder mal ein echter Miku: klasse recherchiert, super geschrieben, auf den Punkt! Und an Jörg: Keep going!! Wir sehen Dich……

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