Volvo-Ocean-Race-Zukunft: Mono- oder Multihull? Die Antwort: Beides

Volvo goes Vendée

Die Volvo-Ocean-Race-Organisatoren haben für die nächste Auflage radikale Änderungen beschlossen. Es soll auf Einrumpfern und Katamaranen gesegelt werden.

60 Fußer mit Foil a la Vendée Globe und T-Foil am Ruder. © Volvo Ocean Race

Bei einer Präsentation im Volvo Museum von Göteborg haben die Veranstalter des Volvo Ocean Races wichtige Ankündigungen zur Zukunft der 44 Jahre alten um-die-Welt-Regatta gemacht. Besonders die Präsentation der Bootsklasse, mit der nach der Ausmusterung der VO65-Yachten (nach 2017-18) gesegelt werden soll, war mit Spannung erwartet worden.

Würde es ein Multihull werden? Vieles sprach für die radikale Abgrenzung zur Vendée Globe, die mit IMOCA 60 Fußern gesegelte wird. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Organisatoren beschlossen eine deutliche Annäherung zur spektakulären Einhand-Regatta. Sie wählten einen 60 Fußer, mit dem auch die Vendée Globe gewonnen werden kann.

Die Ähnlickeit zur IMOCA-Klasse ist erwünscht. © Volvo Ocean Race

Es ist kein Zufall, dass die Renderings des neuen Sportgerätes für die langen Hochsee-Etappen den Einhand-Boliden sehr ähneln. Sie sind mit 60 Fuß genauso lang, weisen die typischen geschwungenen Seitenfoils auf,  und unterscheiden sich auf den ersten Blick nur durch das T-Foil am Ruder. Das Ziel: Durch einen schnellen Umbau sollen sie einhandfähig gemacht werden und auch bei der Vendée mitmachen können.

Verdier greift in die Schublade

Der französische Star-Designer Guillaume Verdier, der auch für die schnellsten IMOCAs verantwortlich ist, musste offenbar nur in die Schublade greifen, um den entsprechenden Einheitsklassen-Typ hervorzuholen.

Der neue Volvo 60 Racer entspricht den Vendée Anforderungen. © Volvo Ocean Race

Acht OneDesign-Yachten sollen gebaut und die Crew weiter reduziert werden auf 5 bis 7 Segler unter Beibehaltung der aktuellen Regeln zum Frauen- und Jugend-Anteil. Die Schiffe sollen von potenziellen Syndikaten geleast werden, um die Kampagnen-Kosten weiter zu senken.

Aber so ganz soll der aktuelle Hype um die Foiling-Katamarane nicht am Volvo Ocean Race vorbei gehen. Deshalb führen die Veranstalter einen Tragflächen-Katamaran ein, mit dem die In-Port-Races bestritten werden. Das Design steht noch nicht fest. Die Länge soll beträgt zwischen 32 und 50 Fuß. Die neuesten America’s Cup Entwicklungen fließen ein.

Foiler-Kats für Inport-Rennen

Zuletzt spielte die Wertung der Hafenrennen nur eine untergeordnete Rolle als Tiebreaker, und die Hochsee-Yachten wirkten bei den häufig unter Flaute leidenden Regatten unter Land reichlich deplaziert. Mit den Katamaranen wird die Wichtigkeit der Wertung wieder deutlich erhöht. Und die Anforderungen an die Segler steigt, da sie Hochsee- und Inport-tauglich sein müssen.

Außerdem könnte das Volvo Ocean Race in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden, aktuell sind es drei Jahre. Dann wäre der nächste Start 2019. Aber die Möglichkeiten dafür werden noch geprüft. Sicher ist, dass für die Zeit zwischen den Regatten ein regelmäßiges Programm geplant ist, um Sponsoren und Seglern mehr Präsentationsmöglichkeiten zu geben.

Neu ist die Partnerschaft mit World Sailing in der Absicht, gemeinsam die nächste Generation der Hochseesegler aufzubauen. Es soll nach Möglichkeiten gesucht werden, einen Weg für junge Segler zu den großen Yachten zu finden. Diese Initiative steht in Verbindung mit den Bestrebungen, bei den Olympischen Spielen 2020 eine Hochsee-Disziplin als Testevent einzusetzen.

Eine anderes Angebot der Volvo Ocean Race Organisatoren richtet sich an Firmen. Sie können im Rahmen des neu geschaffenen Global Team Challenge auf den alten Volvo Ocean 65 Yachten die Route der Profis nachsegeln. Zu acht Amateuren sollen drei Profis stoßen, und die Schiffe werden etwas entschärft.

Interessante Entscheidung

Ist das nun eine schlaue Entscheidung? Man kann es vielleicht so sehen. Anstatt weiterhin auf eine echte Konkurrenz zur zuletzt sehr erfolgreichen Vendée Globe zu setzen, entdecken die Volvo Ocean Race Macher die Gemeinsamkeiten.

Möglicherweise gibt es Sponsoren, die nun eine Vendée- und Volvo-Teilnahme anstreben, ohne selber viel zu investieren. Allerdings wird man mit einem One-Design wohl keine Chance haben, gegen einen speziell entwickelten IMOCA-Prototypen zu gewinnen. Die Wertstabilität der Yachten wird jedenfalls deutlich erhöht, wenn man sie noch im Einhand-Zirkus einsetzen kann.

Ein Wechsel zu den großen Multihulls wäre sicher auch spannend gewesen und es würde dem Zeitgeist entsprechen. Aber auch auf diesem Weg hätte das Rennen hinter der neuen Generation der 100-Fuß-Trimarane zurückgehangen, die 2019 von den besten Einhand-Piloten um die Welt geprügelt werden. Wie soll es noch extremer gehen?

Der Erfolg wird schließlich daran gemessen, wie die Resonanz bei potenziellen Geldgebern ist. Die aktuelle Entwicklung des Volvo Ocean Races, bei dem fünf Monate vor dem Start erst fünf Teams gemeldet sind, kann dem Fan jedenfalls große Sorgen bereiten.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Volvo-Ocean-Race-Zukunft: Mono- oder Multihull? Die Antwort: Beides“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    “Wer den Zeitgeist heiratet wird schnell geschieden”. Die Annäherung an die Open 60s ist sicherlich ökonomisch sinnvoll. Die Katamaran-Nummer ist Zeitgeist-Tüdelkram. Wenn es nach mir geht (was es nicht tut) startet das Rennen wieder im kalten Solent, reduziert sich wieder auf 4 Etappen und zeigt auf den neuen Booten, wie man eng an eng auf kürzestem Weg (also ohne China oder Indien) um die Welt kommt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 3

  2. avatar Pat sagt:

    Tja und die Finanzierung kommt dann vom privaten Sparschwein!

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  3. avatar AC 90 sagt:

    Oh nee, und noch ein foilender Multihull-Livestream-Event. Dieser ganze fliegenden Multihull-Hype ist mir echt to much. Couchsegeln hat mir mal echt Spaß gemacht, mittlerweile kotzt mich Segelsport nur noch an.

    Gehört vielleicht nicht hierher, aber gibt es was Neues zum Super12er-Cup. Findet er statt, vielleicht sogar mit Liveübertragung?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 5

  4. avatar alikatze sagt:

    … die in-port-races auf Cats zu segeln, ist vielleicht fürs Publikum spannender. Und das wird schließlich gebraucht, damit die Sponsoren sich auch zeigen wollen = Geld mitbringen. Insofern ist das ein glaubwürdiger Schritt, um die Finanzierung des VOR zu sichern. Dafür darf dann offshore mit “Segelbooten” gesegelt werden – was ich sehr schön finde! Die Annäherung an die Open60 – wie Fastnetwinner oben schon sagte – ist da schon sinnvoll, zumal die Boote dann auch mal woanders in einer Klasse genutzt werden können. Damit kommt das VOR dem Gedanken an die Nachhaltigkeit ein büschen näher – wo sie sich das ja nu groß auf die Fahnen geschrieben haben – was ich auch sehr begrüße.
    Ich freu mich erstmal auf das nächste VOR und bin gespannt, ob die fehlenden 3 Teams noch gefunden werden.

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