Branche: Der ex Volvo-Ocean-Race-Chef Knut Frostad wechselt zu Orca

Volvo-Ocean-Race-Ikone als Navigator geholt

Knut Frostad ist unter Seglern ein echtes Pfund: Olympische Spiele, vier Weltumsegelungen mit dem Whitbread- / Volvo-Ocean-Race. Acht Jahre lang Geschäftsführer beim VOR, anschließend als CEO an der Spitze von Navico, dem Konzern hinter Marken wie B&G und Simrad. Zuletzt führte er Henri-Loyd. Er wechselt nun zu  Orca.

Kristian Fallrø und Knut Frostad© Orca

Knut Frostad (59) gehört zu den wenigen Menschen in der Branche, die den Segelsport, die Navigation und die Marineindustrie aus fast allen Perspektiven kennt. Der Norweger hat das Volvo Ocean Race nicht nur gesegelt, sondern auch geführt und war anschließend CEO von zwei Branchengrößen. Die meisten Segler dürften seinen Namen schon gehört haben.

Vom drahtigen Surfer zum kräftigen FD-Vorschoter

Frostad begann seine Segelkarriere auf dem olympischen Surfbrett (Lechner Division II) und fuhr 1988 als Ersatzmann nach Seoul. Dann gelang ihm ein bemerkenswerter Rollenwechsel: Vom drahtigen, leichten Windsurfer entwickelte er sich zum kräftigen Vorschoter im Flying Dutchman. An der Vorschot von Ole Petter Pollen, dem Olympia-Silbermedaillengewinner von 1988 in Pusan, segelte er regelmäßig in der Weltspitze und belegte bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona den siebten Platz.

Anschließend wechselte er in den Offshore-Segelsport. Insgesamt viermal startete er beim Volvo Ocean Race. Dort arbeitete er sich vom zeitweisen Steuermann bis an die Spitze eines Teams vor und führte schließlich zweimal als Skipper eine Crew um die Welt.

Knut Frostad
Knut Frostad m Steuer von „Innovation Kvaerner“. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

2008 wechselte Frostad endgültig auf die andere Seite des Sports und übernahm als CEO die Führung des Volvo Ocean Race. In dieser Rolle verantwortete er drei Austragungen der Regatta. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Umstellung auf ein One-Design-Konzept und ein deutlich modernerer Medienauftritt, mit dem das Rennen weltweit besser sichtbar wurde.

Neben seiner Karriere auf dem Wasser hat Frostad auch einen ausgeprägten kaufmännischen Hintergrund. Schon seit 2005 gehörte er dem Vorstand von Navico an, 2019 wurde er CEO. Nach einem Eigentümerwechsel zog er weiter und wurde CEO von Henri-Loyd.

Know-How mit großer Bandbreite

Orca hat sich eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Segelsports ins Haus geholt, sondern auch einen Fachmann, in dessen Rucksack eine Menge Know-How mit großer Bandbreite steckt.

Orca gehört zu den jüngeren Playern im Bereich Navigation. Während die großen Namen der Branche seit jeher Plotter, Instrumente und Elektronik entwickeln, kommt Orca eher aus der Software-Ecke. Die Norweger setzen auf eine enge Verbindung von App, Integration mit eigener Hardware wie Core und Display sowie auf Cloud-Dienste und haben sich damit in den vergangenen Jahren vor allem bei Fahrtenseglern einen Namen gemacht. Orca hat das Thema Out-of-the-Box gedacht, holt sich jetzt jedoch mit Frostadt ein Stück der Box ins Haus. Das dürfte eine interessante Verbindung herstellen.

Berät Orca auch strategisch: Knut Frostad © Orca

„Im Laufe meiner gesamten Karriere lag mir besonders am Herzen, das Segeln und die Navigation für mehr Menschen zugänglich zu machen“, sagte Knut Frostad. „Was Orca aufgebaut hat, sticht hervor, weil das Unternehmen anspruchsvolle Technologie mit einer Benutzererfahrung verbindet, die sich intuitiv und wirklich modern anfühlt. Ich bin überzeugt, dass Orca in einer einzigartigen Position ist, die Art und Weise, wie Menschen sich auf dem Wasser orientieren und navigieren, neu zu definieren. Ich freue mich darauf, zu dieser Entwicklung beizutragen.“

Gemeinsame Historie

Überraschend ist der Kontakt zwischen Frostadt und Orca nicht: Die drei Gründer haben allesamt eine Navico-Historie: Jorge Sevillano als Head of Mobile, Kristian Fallrø war Gründer von i-Sea mit der Navi App “Embark”, die von Navico gekauft wurde. Und Amir Borovac gehörte vor Orca zum Software-Team von Navico. Mit Frostad holt sich Orca nun jemanden an Bord, der die Entwicklung der Navigation über Jahrzehnte begleitet hat. Von ganz klassisch über die Zeit der klassischen Plotter bis zu den heutigen Systemen, bei denen Vernetzung eine immer größere Rolle spielt.

Welche Rolle Frostad künftig bei Orca spielen wird, ist spannend. Denn seine neue Funktion geht über einen Platz im Vorstand hinaus. Als Executive Advisor soll Frostad das Unternehmen auch strategisch begleiten. Spannend wird zu sehen sein, was dadurch künftig beim Nutzer ankommt und wohin die Volvo-Ocean-Race-Ikone das Unternehmen navigiert. 

Orca holt sich mit Frostad einen seltenen Erfahrungsschatz in Haus. Nur wenige Personen haben die Branche so lange und aus so unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt wie Frostad.

Knut Frostad
Aus alten Zeiten: Frostad als Crewmitglied bei Brasil 1. © Oskar Kihlborg/Volvo Ocean Race

 

Knut Frostad

 

  • Geboren 1967 in Harstad (Norwegen)
  • Olympiateilnehmer (1992)
  • Viermal Teilnehmer am Whitbread Round the World Race bzw. Volvo Ocean Race
  • Zweimal Skipper und Projektleiter eigener Kampagnen beim VOR
  • Gilt als einer der bekanntesten norwegischen Offshore-Segler seiner Generation
  • CEO des Volvo Ocean Race von 2008 bis 2015
  • Verantwortlich für die Modernisierung der Regatta und die Einführung der Einheitsklasse Volvo Ocean 65
  • 2019 zu Navico, zunächst Executive Vice President Digital Business
  • Später CEO von Navico, dem Mutterkonzern von B&G, Simrad und Lowrance
  • Seit 2024 Executive Chairman der Traditionsmarke Henri-Lloyd
  • Seit 2026 Vorstandsmitglied und Executive Advisor bei Orca

 

Ein Kommentar zu „Branche: Der ex Volvo-Ocean-Race-Chef Knut Frostad wechselt zu Orca“

  1. Unsinkbar III

    sagt:

    Sehr cool. Knut wird auf alle Fälle jemand sein, der viel Input gibt. Das ist kein Grüßonkel.

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