Sie fährt! Mit großer Verzögerung ist die neue Schleifähre „Missunde III“ nun an den Start gegangen. Damit scheint eine endlose Fehlplanungsgeschichte zu enden. Jedoch nicht ganz, denn es gibt noch immer Einschränkungen.

Die neue Schleifähre „Missunde III“ hat ihren Dienst aufgenommen – allerdings unter eingeschränkten Bedingungen und weiterhin im Probebetrieb. Seit den frühen Morgenstunden verbindet das elektrisch betriebene Schiff wieder die Orte Missunde und Brodersby. Der Start erfolgt mit deutlicher Verspätung. Ursprünglich war der Zeitplan bei der Ausschreibung 2020 deutlich ambitionierter. Als das Projekt angestoßen wurde, ging man davon aus, dass die neue Fähre bereits 2024 in Betrieb gehen könnte – passend zur damaligen Kostenkalkulation von rund 2,5 Millionen Euro. Dieser Termin wurde jedoch früh gerissen.
Zunächst befristete Betriebsgenehmigung
Noch läuft nicht alles im regulären Modus. Die Fähre verfügt zunächst nur über eine befristete Betriebsgenehmigung, die den Transport auf Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen begrenzt. Erst nach weiteren Tests soll die Freigabe für schwerere Fahrzeuge folgen. Auch beim Personal gibt es Vorgaben: Aktuell sind zwei Fährleute an Bord erforderlich, was den Betrieb aufwendiger macht. Der Landesbetrieb für Küstenschutz und Meeresschutz bewertet die Situation ausdrücklich als Testphase. Die aktuelle Zulassung ist bis Ende August befristet, danach steht eine erneute technische Abnahme an.
Dass die Fähre überhaupt erst jetzt in Fahrt kommt, ist das Ergebnis einer längeren Problemgeschichte. Schon nach der Fertigstellung zeigte sich, dass das Schiff mit den Bedingungen auf der Schlei nicht zurechtkam. Insbesondere Windanfälligkeit und Schwierigkeiten beim Anlegen machten umfangreiche Nacharbeiten nötig. In der Kieler Werft von German Naval Yards wurde die Fähre daraufhin technisch überarbeitet. Unter anderem erhielt sie zusätzliche Querstrahlruder und eine größere Batteriekapazität, um die Manövrierfähigkeit zu verbessern. Auch die Anlegeeinrichtungen mussten nachträglich angepasst und stabilisiert werden.

Die Vorgängerfähre wurde im Zuge der Neubeschaffung außer Dienst gestellt und verkauft, obwohl die neue Verbindung zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsatzbereit war. Als sich die Probleme beim Neubau häuften und der Starttermin immer weiter nach hinten rückte, fehlte plötzlich die bewährte Reserve. In der Folge sah sich das Land gezwungen, die alte Fähre wieder zurückzukaufen, um den Fährbetrieb überhaupt aufrechterhalten zu können. Der Zwischenverkauf und die spätere Rückabwicklung gelten bis heute als Beispiel für die insgesamt wenig stringente Projektsteuerung rund um den Fährneubau.
Fast dreimal höhrere Kosten als geplant
Die wiederholten Änderungen haben das Projekt deutlich verteuert. Aus einer ursprünglich kalkulierten Summe von etwa 2,5 Millionen Euro sind inzwischen mehr als 6,5 Millionen Euro geworden. Allein die jüngsten Umbauten verursachten zusätzliche Kosten in Millionenhöhe. Parallel dazu wird derzeit geprüft, ob Planungs- oder Konstruktionsfehler vorliegen und wer dafür haftbar gemacht werden kann. Auch politisch bleibt das Projekt umstritten. Vertreter der Opposition im schleswig-holsteinischen Landtag fordern Aufklärung über die Kostenentwicklung. So hat etwa Bernd Buchholz angekündigt, die Hintergründe der Verzögerungen und Mehrkosten genauer untersuchen zu lassen.
Trotz der offenen Punkte wird die Wiederaufnahme der Verbindung vor Ort als Fortschritt gewertet. Die Einschränkungen im Betrieb gelten als vorübergehend. Zunächst profitieren vor allem Fußgänger, Radfahrer und Pkw von der Fähre, während schwerer Verkehr noch warten muss.
Bis zur endgültigen Zulassung bleibt die „Missunde III“ ein Projekt im Probebetrieb. Erst wenn alle technischen Mängel behoben und eine abschließende Erprobung erfolgreich abgeschlossen sind, kann der reguläre Betrieb ohne Einschränkungen beginnen. Die letzten Umbauten sollen 2026 abgeschlossen sein.

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