Jan von der Bank war zu Gast beim Live Podcast im Segelclub Baltic in Kiel. Wir habe das Gespräch mit dem Regattasegler, Bootsbauer, Drehbuch- und Buchautor und PURE-Yachts Mitarbeiter zusammengefasst.

Dieser Artikel ist eine verkürzte Zusammenfassung unseres Podcast Gesprächs.
Wenn Jan von der Bank erzählt, wie er Drehbuchautor geworden ist, klingt das fast wie eine Szene aus einem seiner eigenen Filme. Eigentlich hatte er Architektur studiert und arbeitete bereits in dem Beruf. Dann schrieb er als junger Mann ein erstes Drehbuch über Studenten auf Wohnungssuche. Wenig später führte ihn ein verpasster Flug zu einem Mittagessen mit einem Produzenten der Bavaria Film. Aus dem Zufall wurde eine Karriere, die ihn für mehr als zwei Jahrzehnte zu einem gefragten Autor für ARD und ZDF machte.
„Wer sich Häuser ausdenken kann, kann sich auch Filme ausdenken.“
Bei der Live-Aufzeichnung des Segelreporter-Podcasts im Segelclub Baltic in Kiel erzählte Jan von seiner Geschichte, die sich zwischen Filmsets, Regattabahnen und Bootswerften abgespielt hat.
Viele Segler dürften Produktionen wie „Gegen den Wind“ oder die „Küstenwache“ kennen, für die von der Bank Drehbücher schrieb. Später arbeitete er auch für den Kieler „Tatort“ mit Axel Milberg. Dabei nutzte er seine Position gelegentlich, um dem Segeln etwas mehr Raum zu verschaffen. So verlegte er die entscheidende Auflösung eines Borowski-Falls bewusst ins Cockpit eines Folkebootes. Die Überlegung dahinter war einfach: Wenn dort die Schlüsselszene spielt, landet sie nicht im Schneideraum.
Überhaupt, erzählt von der Bank, haben Filmaufnahmen auf dem Wasser mit der Realität oft wenig zu tun. Bei den Dreharbeiten zur „Küstenwache“ in der Neustädter Bucht bestand eine Regisseurin darauf, dass für jede Einstellung ausschließlich Wasser und Horizont zu sehen sein sollten. Das Problem: Ein Segelboot richtet sich nun einmal nach dem Wind und nicht nach den Wünschen der Kamera. Die Lösung bestand schließlich darin, das Boot unter Motor rückwärts fahren zu lassen, damit die Segel optisch richtig standen.

Solche Geschichten sind es, die zeigen, wie unterschiedlich die Welten von Film und Segeln funktionieren. Während Produzenten und Regisseure vor allem auf Bilder achten, interessieren Segler sich eher dafür, ob das Gezeigte überhaupt plausibel ist.
Der rote Faden in von der Banks Leben blieb ohnehin stets das Segeln. Bereits als Jugendlicher stieg er in die Contender-Klasse ein. Die sportliche Einhand-Trapezjolle wurde über Jahrzehnte zu seiner seglerischen Heimat. Internationale Regatten bestimmten viele Jahre seinen Kalender. Der Höhepunkt folgte 2005 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Es folgte eine Pause, dieses Jahr segelt er aber wieder die KiWo im Contender mit.
„Ich kann jetzt mitsegeln und kann Achter oder Zehnter werden und freue mich einfach, dass ich dabei bin und genieße die gute Gesellschaft.“
Heute geht er Wettfahrten deutlich entspannter an. Nach einigen Jahren Pause sitzt er wieder regelmäßig im Boot und genießt nach eigenen Worten inzwischen auch Regatten, bei denen am Ende kein Pokal wartet. Dass er das Gewinnen trotzdem noch beherrscht, zeigte er jüngst bei der Aalregatta. Gemeinsam mit seiner Mitseglerin Wiebke gewann er auf seiner selbstgebauten Yacht die Yardstick-Wertung beider Wettfahrten.
Sein Boot „Remy“ dürfte mittlerweile mindestens so bekannt sein wie seine Drehbücher.
Über mehrere Jahre entstand in einer Garage in Eutin eine 9,5 Meter lange Sperrholzyacht nach einem Entwurf des Konstrukteurs Martin Menzner. Von der Bank dokumentierte den Aufwand akribisch. Exakt 3.635 Arbeitsstunden kamen zusammen. Rund 400 davon steuerten Freunde und Familienmitglieder bei. Dass ein solches Projekt überhaupt funktionieren konnte, lag auch an einer pragmatischen Entscheidung. Seine Frau überzeugte ihn davon, das Boot nicht in einer entfernten Halle, sondern direkt zu Hause zu bauen. So blieb er trotz der unzähligen Arbeitsstunden Teil des Familienlebens.
„Wenn du den Quatsch schon machst, dann mach es wenigstens zu Hause, dann wissen wir, wo du bist.“
Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Mix aus klassischer Holzoptik und moderner Regattatechnik. Kohlefasermast, Hubkiel und moderne Linien treffen auf handwerkliche Lösungen, die von der Bank selbst entwickelte. Vieles verschwindet unsichtbar unter Deck. Nicht jede Lösung würde ein professioneller Bootsbauer exakt so ausführen. Genau das macht für ihn aber einen Teil des Charakters des Schiffes aus.

Fast wäre der Neubau kurz nach seiner Fertigstellung schwer beschädigt worden. Während der schweren Ostsee-Sturmflut im Oktober 2023 lag das Boot im Nordhafen von Schilksee. Weil sich zuvor kein Krantermin ergeben hatte, befand es sich noch im Wasser. Von der Bank verbrachte die Nacht vor Ort. Als sich bei Sturm und Hochwasser ein Nachbarboot losriss und auf seinen Neubau zutrieb, stieg er mit Neoprenanzug und Rettungsweste auf die überfluteten Stege. Mit einer Großschot gelang es ihm, das Boot zu sichern. Gleichzeitig half er einem älteren Segler, der stark unterkühlt war und später von den Seenotrettern übernommen wurde. Jan erzählt heute über diese Sturmflutnacht immer noch mit einer gewissen Portion Groll, denn seiner Ansicht nach sind im Vorfeld entscheidende Fehler gemacht worden. Da er das Kind damals auch sehr genau beim Namen nannte, kam es zu juristischen Auseinandersetzungen wie einstweiligen Verfügungen.
„Ja, wir bauen dort High-Tech-Aluboote für Millionäre – die Schiffe kosten rund 1,1 bis 1,2 Millionen Euro netto. Aber wir wollen trotzdem nahbar bleiben. Bei uns ist jeder interessierte Segler herzlich zu einer Werftbesichtigung eingeladen, wir machen da keine Geheimnisse draus.“
Heute spielt sich sein Arbeitsalltag wieder rund um den Bootsbau ab. Allerdings nicht mehr in einer selbstgebauten Garage, sondern auf dem Gelände der ehemaligen Lindenau-Werft in Kiel. Dort arbeitet von der Bank bei Pure Yachts, einem vielbeachteten Unternehmen, das Aluminium-Blauwasseryachten baut. Zum Aufgabenbereich gehören Marketing und Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie praktische Arbeit in der Fertigung. Der Wechsel kam nicht geplant zustande. Erst die Aufmerksamkeit rund um sein eigenes Boot führte zum Kontakt mit der Werft. Gleichzeitig veränderte sich die Fernsehbranche. Streamingdienste, steigender Kostendruck und veränderte Produktionsbedingungen machten das Geschäft für viele Autoren schwieriger.

Am Ende des Gesprächs wurde er noch grundsätzlich. Das heutige System des Jugendsegelns sieht er kritisch. Zu viel Leistungsdruck, zu hohe Kosten und zu wenige Angebote für diejenigen, die einfach segeln wollen. Sein Wunsch ist ein unkomplizierterer Zugang zum Sport – mit mehr gemeinschaftlich genutzten Booten und weniger Zwang, möglichst früh Höchstleistungen zu bringen.
Es passt zu einem Mann, dessen eigener Weg selten geradlinig verlief. Architektur, Fernsehen, Weltmeisterschaft, Garagenwerft und Aluminium-Yachten in Kiel – normalerweise würden solche Kapitel für mehrere Lebensläufe reichen. Bei Jan von der Bank gehören sie alle zur gleichen Geschichte.


Schreibe einen Kommentar