Banque Populaire hatte nach dem Rauswurf von Clarisse Crémer viel Renommee als Segelsponsor verloren. Die Bank stoppte die Vendée-Globe-Teilnahme und ließ Gras über den Skandal wachsen. Mit dem Bau des Boris-Herrmann-Schwesterschiffs und nun einem neuen Ultim-Trimaran greift sie wieder an.

Das französische Finanzunternehmen Banque Populaire ist seit 37 Jahren als Sponsor im Segelsport aktiv. In dieser Zeit wurden sechs Trimarane auf dem frühen 60-Fuß-ORMA-Circuit betrieben, schließlich wurde 2011/12 der Jules-Verne-Rekord gebrochen – vom 40 Meter langen Maxi Banque Populaire V unter Skipper Loïck Peyron –, bevor die Vendée Globe in den Fokus geriet.
Für Armel Le Cléac’h wurden zwei IMOCA gebaut. Damit sorgte er für die größten Erfolge in den blau-weißen Farben. Nach Platz zwei 2012/13 hinter François Gabart gewann er die nächste Auflage 2016/17 vor Alex Thomson. Danach konzentrierte sich der zweitgrößte Bankenkonzern in Frankreich (102.000 Mitarbeiter) wieder auf die großen Trimarane und baute einen Ultim für Le Cléac’h. BP IX brach allerdings 2018 bei der Route du Rhum auseinander, was das Ende der neuen Klasse einzuleiten schien.

Aber Le Cléac’h erhielt einen neuen Ultim und segelte damit immerhin zum Transat-Jacques-Vabre-Sieg. Die erhoffte Dominanz im Vergleich mit der Konkurrenz erreichte er mit dem 100-Fußer allerdings nicht. Auch zuletzt bei der Transat Café L’Or musste BP XI früh einen Stopp einlegen und kam unter vier Ultim-Trimaranen auf den letzten Platz.
Das Schiff mag durchaus schnell sein, machte aber mehr Schlagzeilen bei seiner Incentive-Tour mit der olympischen Flamme an Bord als durch Erfolge. Daran dürfte sich auch wenig ändern, seit der Gitana-Rennstall sein neues Flaggschiff vom Stapel hat laufen lassen. Der revolutionäre Renner soll bis zu fünf Knoten schneller sein als die aktuelle Ultim-Generation und droht damit, Regatten langweilig zu machen und die Klasse zu zerstören.

Aber dazu will es die Bankengruppe dann doch nicht kommen lassen. So ist wohl die Ankündigung zu verstehen, dass Banque Populaire einen Ultim-Neubau in Auftrag gegeben hat. Die Franzosen, die auch die nationale Segel-Olympiamannschaft mit geschätzten 2 Millionen Euro im Jahr unterstützen, gehen wieder All In.
Banque Populaire 15 soll allerdings erst 2029 vom Stapel laufen. Verantwortlich soll diesmal nicht VPLP zeichnen, das Designbüro, das für die vier jüngsten Entwürfe verantwortlich ist, und auch nicht Guillaume Verdier, der Gitana 18 zeichnete, sondern Antoine Koch, der große Aufsteiger in der IMOCA-Szene.
Bei ihm, der die Form für die neue Malizia und eben auch den nächsten IMOCA für BP-Skipper Lois Berrehar zeichnet, laufen die Fäden in Zusammenarbeit mit GSEA Design und Finot-Conq zusammen. Es ist eine Premiere für Koch und ebenso ein Ritterschlag. Am Ruder dieses 32 Meter langen und 23 Meter breiten Trimarans soll wieder Armel Le Cléac’h (48) stehen.

Dieses Projekt wird das neunte Boot, das das Team aus Lorient seit Beginn seines Engagements im Segelsport im Jahr 1989 gebaut hat. „Dieses neue Großprojekt ist ein menschliches, technisches und wirtschaftliches Abenteuer mit einer starken kollektiven Dimension“, betont Pierre-Laurent Berne, Entwicklungsleiter bei der Banque Populaire.
Die Konstruktion des Trimarans wird vom technischen Stützpunkt des Teams in Lorient aus geleitet. Der Bau wird der Werft CDK Technologies anvertraut, wo auch der neue IMOCA für Berrehar entsteht. 28 Monate Bauzeit werden veranschlagt, die Gesamtkosten auf bis zu 30 Millionen Euro geschätzt.

Für Armel Le Cléac’h bedeutet das zukünftige Boot Kontinuität der Arbeit mit der Banque Populaire XI. „Wir werden auf unsere jahrelange Erfahrung zurückgreifen und alle Hebel in Sachen Innovation und Leistung in Bewegung setzen. Die Idee ist, über ein Boot auf dem neuesten Stand der Technik zu verfügen, um mit den Besten mithalten zu können.“
Erklärtes Ziel sind die wichtigen Termine der Ultim-Klasse, angefangen bei der Route du Rhum 2030. Aber auch die Ozeanrekorde werden wichtiger, so auch die Trophée Jules Verne. „Seit dem Aufkommen der Foils entwickeln sich diese Boote ständig weiter. Die Herausforderung besteht darin, einen zuverlässigen Trimaran zu entwickeln, der das Ziel erreicht und gewinnt“, fasst Teamleiter Erwan Steff zusammen.
Banque Populaire betont, dass der Bau dieses Mehrrumpfboots einem ganzen Netzwerk von Handwerkern, Selbstständigen und dem Mittelstand ein Auskommen ermöglicht. Nahezu 150 Unternehmen würden im Umfeld von Lorient mobilisiert.

Pierre-Laurent Berne, Entwicklungsleiter der Banques Populaires: „Letztes Jahr, nach den Olympischen Spielen, bei denen wir als Partner auftraten, haben wir unser Engagement für den Segel- und Surfsport bekräftigt. Im Alltag teilen wir mit dem Team Banque Populaire dieselben Werte: Zusammenarbeit und Unternehmergeist. Dieses neue Großprojekt ist der beste Beweis dafür: Es ist ein menschliches, technisches, technologisches und wirtschaftliches Abenteuer mit einer starken kollektiven Dimension. Banque Populaire ist als traditionsreicher Reeder stolz darauf, diese Dynamik wie schon immer zu fördern. Dies ist ein Grund zum Stolz für alle Mitarbeiter, ein zentraler Aspekt unseres Engagements, der unser stetiges Engagement unter Beweis stellt. Wie bei allen Projekten, die das Team in der Ultim-, IMOCA- und Figaro-Klasse gleichzeitig vorantreibt, bin ich überzeugt, dass uns die Maxi Banque Populaire 15 ermöglichen wird, an der Spitze dieser Disziplin zu bleiben.“
Armel Le Cléac’h, Skipper der Banque Populaire: „Ich bin sehr glücklich und weiß es zu schätzen, Teil eines Teams zu sein, das sich auf dieses neue menschliche, technologische und sportliche Abenteuer vorbereitet. Das Tolle an diesem Projekt ist, dass es im Laufe der letzten Jahre in Gesprächen mit der Führungsriege gereift ist. Es ist das Ergebnis gemeinsamer Überlegungen und eines ständigen Austauschs, aus dem diese Idee hervorgegangen ist. Es lag uns sehr am Herzen, bei der Route du Rhum 2030 über ein Boot auf dem neuesten Stand der Technik zu verfügen, um mit den Besten mithalten zu können. Wir werden auf unsere jahrelange Erfahrung, insbesondere mit der Banque Populaire XI, zurückgreifen und in Sachen Innovation und Leistung alle Register ziehen. Es ist eine großartige Gelegenheit für uns alle, gemeinsam ein Boot zu bauen, das zu uns passt.“

Erwan Steff, Direktor des Teams Banque Populaire: „Diese Ankündigung unterstreicht einmal mehr das unglaubliche Vertrauen der Banque Populaire in das Team. Wir alle teilen den gleichen Willen, ein innovatives Boot zu Wasser zu lassen, das den Hochseeregattasport in den nächsten zehn Jahren prägen wird. Seit dem Aufkommen der Foils erschließen wir weiterhin Neuland, innovieren und finden Lösungen, um noch leistungsfähiger zu werden. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit dem Büro von Antoine Koch, das bereits am Bau der IMOCA Banque Populaire 14 beteiligt war, eine neue Vision hat und Mut beweist. Was uns vor allem antreibt, ist der Bau eines zuverlässigen Bootes, das bis zum Ende durchhält und Regatten gewinnen kann. Wir alle im Team sind uns bewusst, welch großes Glück wir haben, ein neues Ultim bauen zu dürfen. Wir gehen diese Herausforderung mit Bescheidenheit, Ernsthaftigkeit und großer Begeisterung an.“
Sébastien Josse, Sportdirektor des Teams Banque Populaire: „Wie das gesamte Team bin ich besonders begeistert von der Idee, an diesem neuen Abenteuer teilzunehmen. Seit den ersten Ultims ist viel Wasser unter den Foils geflossen (lacht). Wir wissen nun, dass diese Boote in der Lage sind, lange zu fliegen und die Welt zu umrunden… Mit dem Erfahrungsschatz, den wir in den letzten Jahren gesammelt haben, werden wir uns nun dem Bau der Maxi Banque Populaire 15 widmen. Wir wünschen uns ein vielseitiges Boot und wollen seine Leistung bei bestimmten Kursen, insbesondere vor dem Wind, noch weiter steigern. Das Ziel ist es, alles zu tun, damit es bei der Route du Rhum 2030 leistungsstark ist. Zwischen diesem Projekt, dem im Bau befindlichen IMOCA, dem aktuellen Ultim und der Figaro sind die Aussichten innerhalb des Teams einfach unglaublich!“
Maël Devoldere, Leiter des Konstruktionsbüros des Teams Banque Populaire: „Es ist unglaublich, die Chance zu haben, das Ultim von morgen zu entwerfen. Wir haben im Leben nur selten die Gelegenheit, an der Konzeption eines Traumbootes zu arbeiten. Als wir die erste Generation der Ultims entworfen haben, war das ein Sprung ins Ungewisse. Inzwischen haben wir mehr Gewissheit über das Segeln. Es liegt an uns, alles zu tun, um einen Schritt voraus zu sein, die Schlüssel zum Gewinnen von Regatten und zum Brechen von Rekorden zu finden. Wir müssen das richtige Gleichgewicht zwischen Zuverlässigkeit und Wagemut finden. Was wir insbesondere optimieren wollen, ist, schneller abzuspringen, aber auch bei rauer See vor dem Wind leistungsfähiger zu sein. Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Antoine Koch, der die nächste Generation von Schiffsbauingenieuren repräsentiert, und all jenen, die an seiner Seite daran arbeiten, die besten Lösungen zu finden, um noch leistungsfähiger zu werden.“

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