Audi Medcup Barcelona: “Container” verpasst Podium, Schümann 4., next stop Germany?

Großer Frust

Die TP 52 Flotte kämpft unter Gennaker Bord an Bord. © Ian Roman/Audi MedCup

Der in Berlin wohnende Starnberger Skipper beklagte vor allem eine Leichtwindschwäche in der zweiten Saisonhälfte, die aus einer mangelnden Gesamtkonfiguration des Boots herrührte. Wieser: „Wir haben zwischendurch in der Weiterentwicklung des Trimms und der Segel den Anschluss verpasst.“

Udo Schütz, der schon in den 90er-Jahren erfolgreich war und unter anderem für Deutschland den Admiral’s Cup gewann (93), mochte noch gar nicht an die Zukunft denken. Der Industrielle aus dem Westerwald will erst zu Wochenbeginn über eine Fortführung der Kampagne entscheiden.

Spät hatte er Ende vergangenen Jahres den Bau einer TP 52 in England beschlossen, nachdem sich die STP 65-Klasse nicht durchgesetzt hatte, in der es bis 2009 eine „Container“ gab. Mit einem Großteil der internationalen Mannschaft startete das Team sofort durch, und gewann nach Platz zwei zum Auftakt bereits im Juni die zweite Audi MedCup-Regatta in Marseille/Frankreich.

Wie beim alten America's Cup. Das Bribon-Team zieht einen Wind-Spotter in das Rigg. © Ian Roman/Audi MedCup

Danach fingen die Probleme an. „Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns als Neulinge sowohl sehr hohe Ziele gesetzt und damit auch entsprechende Erwartungen geweckt hatten“, so Markus Wieser, „ich habe selbst in Cascais zum ersten Mal eine TP 52 gesteuert.“ Bei der Detailanalyse sollen nun auch die Leistungen jedes einzelnen Crewmitglieds nicht ausgespart werden.

Unterm Strich als Sechster noch weniger erfolgreich, aber moralisch auf einem aufsteigenden Ast beendete das Audi Sailing Team den Audi MedCup Circuit 2011. Ebenfalls mit einem Neubau, aber einem anderen, radikaleren Design aus dem Konstruktionsbüro Judel/Vrolijk aus Bremerhaven war die deutsch-französische Kampagne katastrophal in die Saison gestartet und lief diesen Punkten fortan hinterher.

Nach einem Regattasieg im dritten Event in Cagliari/Italien schien der Knoten geplatzt. Zu weiteren Podiumsplätzen reichte es zwar nicht, doch der im spanischen Valencia lebende Penzberger Schümann betonte den Aufwärtstrend: „Wir können mit dem Abschneiden nicht zufrieden sein, hatten das Podium aber schon längst abgehakt.

Positionskämpfe vor dem Wind. Beim Audi Medcup-Finale herrschte eher leichter Wind vor. © Ian Roman/Audi MedCup

Wir wollten danach noch Akzente setzen, was und dann und wann auch gelungen ist. Wir lernen immer noch, wie das Boot schnell zu segeln ist. Und unsere Spinnakerprobleme sind erkannt und werden behoben. Zwei zweite Plätze am letzten Tag versöhnen und zeigen, wo die Reise hingehen soll.“

Die TP 52-Kampagne des Audi Sailing Team powered by All4One ist bis 2013 angelegt. Schon bei der Weltmeisterschaft Anfang Oktober in Porto Cervo auf Sardinien (Italien) soll eine Medaille her – als Grundlage und Messlatte für die nächste Saison.

Dann könnte es sogar ein Heimspiel der Hochseeyacht geben. Delegationen aus Kiel und Travemünde waren zum Finale nach Barcelona gereist und hatten das Setup eines Audi MedCup-Events vor Ort studiert. „Wir prüfen derzeit eine Änderung der Route und könnten nach einem Saisonbeginn an der Atlantikküste auf die Ostsee kommen“, bestätigte Nacho Postigo als technischer Direktor des Veranstalters. Im Gespräch für einen Event in Deutschland oder in Schweden ist die zweite Juli-Woche.

Das Erlebnis Audi MedCup in 2012 über den Mittelmeerraum hinaus zu verbreiten, ist auch erklärtes Ziel der Audi AG als Titelsponsor. „Es ist uns wichtig, dass wir in Richtung Norden kommen. Das wäre ein großer Schritt. Die Auswahl eines speziellen Austragungsortes überlassen wir der MedCup-Organisation. Das Ereignis muss aber auch in den Veranstaltungskalender und andere Verpflichtungen der Städte passen“, sagt Lothar Korn, Leiter Marketing Kommunikation.

Auf jeden Fall sollten die Veranstaltungsorte so schnell wie möglich gefunden werden, am besten bis spätestens Jahresende, um die Planungen der Teams, aber auch der Städte und die Aktivierung des touristischen Potenzials voranzutreiben.

Der Segelsport hat neben dem alpinen Skisport und Fußball für den Automobilkonzern aus Ingolstadt in der Marketingstrategie eine gewichtige Rolle übernommen. „Die internationale Ausrichtung mit den Engagements in Australien, Italien, Spanien und Deutschland zur Kieler Woche und beim Sailing Team Germany zeigt den hohen Stellenwert“, so Korn weiter, „der MedCup hat sich sehr gut entwickelt, aber wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen.“

Besonders als Hospitality-Plattform zur Betreuung von Kunden und Händlern sei der MedCup ein ideales Instrument. Allerdings hätten nicht alle Austragungsorte die Erwartungen erfüllt, einige hätten sich nicht weiter entwickelt, während Barcelona mit dem Finale des Cups geradezu „perfekt“ gewesen sei. Korn: „Das Sponsoring erfüllt ja keinen Selbstzweck, sondern ist ein ernsthaftes Geschäft. Hier kann ein Händler seine Kunden sehr gut einbinden.“

Segeln in Zahlen

Endstand Audi MedCup Circuit 2011

TP 52-Klasse

1. Quantum Racing (USA) 162,5 Punkte
2. Bribón (Spanien), Gonzalo Araujo 177,5
3. Audi Azzurra Sailing Team (Italien), Guillermo Parada 180
4. Container (Selters), Skipper Markus Wieser 185
5. Rán (Großbritannien), Niklas Zennström 202
6. Audi Sailing Team powered by All4One (Kiel), Jochen Schümann 204,5
7. Synergy Russian Sailing Team (Russland), Eugeniy Neigodnikov 208,5
8. Gladiator (Großbritannien), Tony Langley 364,5

Soto 40-Klasse

1. Iberdrola (Spanien) 68 Punkte
2. Notica (Spanien) 104
3. Ngoni (Großbritannien) 119
4. Patagonia (Argentinien) 162
5. XXII (EUR) 176
6. cruiser-racer.com (Spanien) 208
7. Bigamist (Portugal) 214

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3 Kommentare zu „Audi Medcup Barcelona: “Container” verpasst Podium, Schümann 4., next stop Germany?“

  1. avatar Holger sagt:

    Das war eine tolle Serie, Segeln vom Feinsten.

    Ich würde mir wünschen, dass Udo Schütz mit Markus Wieser weiternacht. Mit guter Vorbereitung sind die Chancen für 2012 auch besser. Das gilt ntürlich auch für Jochen Schümann, der ja sowieso langfristig planen kann.

    Von mir aus, könnte die Serie auch gerne um ein paar weitere Termine aufgestockt werden.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

    • avatar stefan sagt:

      …naja, was heisst “langfristig planen”, wenn Schümann jetzt schon in Interviews erklärt, er könne sich vorstellen: “im kommenden Jahr aus dem Segelsport auszusteigen”.

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  2. avatar Hurghamann sagt:

    Da stimme ich zu, die mediale Aufbereitung ist auch klasse. Für nächste Saison paar mehr Regatten und Termine, gerne noch ein paar mehr Starter. Dann kann man die Soto 40 auch weglassen.

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