Karriere-Ende des Vize-Weltmeisters: Hoffnungsvolle Olympia-Crew Fischer/Rieger hört auf

"Meine Ziele haben sich verändert"

Eigentlich wäre die Zeit reif für Tim Fischer/Fabian Rieger (ehem. Graf)  um bei den Olympischen Spielen 2024 den Lohn für acht Jahre harten Leistungssport in der 49er Klasse zu ernten. Aber nun trennt sich eines der erfolgreichsten deutschen Segel-Duos.

Tim Fischer und Fabian Graf qualifizierten Deutschland bei der WM 2018 in Aarhus für Olympia. © sailing energy/ World Sailing

Tim Fischer und Fabian Graf repräsentieren die neue junge Garde der deutschen Nationalmannschaft. Sie wären dran gewesen, um in Marseille das Zepter von Erik Heil und Thomas Plößel im 49er zu übernehmen. Aber nun geht das Duo getrennte Wege. Während Vorschoter Fabian Rieger den Traum von den Olympischen Spielen weiterverfolgt, konzentriert sich Steuermann Tim Fischer auf seine Karriere in der Wirtschaft.

„Ich liebe den Segelsport, bin zuletzt aber nicht mehr zu 100 Prozent dabei gewesen“, begründet Tim Fischer vom Norddeutschen Regatta Verein seinen Abschied aus der olympischen Skiff-Klasse. Die Ergebnisse der EM und der WM – bei beiden Events waren Fischer/Rieger mit den Plätzen 16 und 34 weit hinter ihren gesteckten Zielen zurückgeblieben – gaben einen letzten Ausschlag, sich neu zu orientieren.

Tim Fischer (r.) und Fabian Graf gewinnen 2019 auf dem Olympia Revier vor Enoshima Weltcup-Bronze © Sailing Energy

Es genüge nicht, clever zu segeln, sagt Tim Fischer mit Blick auf die aktuellen technischen Änderungen in der 49er-Klasse: Sowohl das Rigg als auch die Segel des Skiffs wurden dieses Jahr modifiziert. Mindestens 50 bis 100 intensive Tage der Eingewöhnung brauche es, um auf dem neuen Material bei allen Bedingungen konkurrenzfähig zu sein, so der 27-Jährige – und diesen unbedingten Willen, den Enthusiasmus, sich komplett in dieses neue Segel-Kapitel hineinzuknien, den verspüre er einfach nicht mehr.

Besonders deutlich werde diese Diskrepanz, wenn er an die gemeinsame Anfangszeit mit Fabian Rieger vor acht Jahren denke: „Wie wir da gebrannt haben, einfach jeden Tag aufs Wasser gegangen sind, egal bei welchen Bedingungen, das hat uns zusammengeschweißt!“

Der Plan: Karriere in der Strategieberatung

Für Tim Fischer beginnt nun ein anderes, wenn auch nicht weniger intensives Lebenskapitel. Der Master-Absolvent nimmt zum April 2023 ein Angebot der internationalen Strategieberatung Monitor Deloitte an. „Als Consultant werde ich DAX-Unternehmen im Raum Deutschland, Österreich und Schweiz beraten“, berichtet Fischer; „das wird ganz sicher keine 40-Stunden-Woche. Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung.“

Fabian Rieger wird seinen Weg im 49er fortsetzen, strebt allerdings einen Wechsel auf die Position des Steuermannes an und trainiert aktuell mit verschiedenen Vorschotern.

„Tim war ein wertvolles Mitglied des German Sailing Teams“, würdigt Sportdirektorin Nadine Stegenwalner den Steuermann und langjährigen Athletensprecher. „Nicht nur sportlich hat er Akzente gesetzt, sondern war auch menschlich ein Vorbild, verlässlich, aufrichtig und bodenständig. Die Zusammenarbeit mit ihm als Athletensprecher war sehr konstruktiv und angenehm, er hat sich gut für die Belange des ganzen Teams eingesetzt.“

Tim Fischer und Fabian Graf 2021 wieder vereint auf dem 49er. © KiWo Christian Beeck

Tim Fischer und Fabian Rieger gehören zu den erfolgreichsten deutschen 49er-Crews. 2018 machten der Steuermann aus Süddeutschland und sein Berliner Vorschoter erstmals international auf sich aufmerksam: Bei der Weltmeisterschaft in Aarhus gewannen sie dank ihres intelligenten Segelstils bei komplizierten Windbedingungen die Bronzemedaille und sicherten das Nationenticket für Olympia 2020 in Japan.

Die Qualifikation für die Spiele in Tokio gewannen im 49er dann Erik Heil und Thomas Plößel. Kurzzeitig legten Graf/Rieger ihre gemeinsamen Olympia-Ambitionen auf Eis, entschlossen sich dann aber doch zum Weitermachen. Mit Erfolg: 2020 gewannen sie am österreichischen Attersee den Europameistertitel. „Das war der absolute Hammer“, erinnert sich Tim Fischer an das Event, bei dem die Teamkameradinnen Tina Lutz und Susann Beucke ebenfalls über den Titelgewinn im 49erFX jubelten. Mit dem Vizeweltmeistertitel 2021 setzten Tim Fischer und Fabian Rieger einen weiteren Glanzpunkt in ihrer Karriere.

„Ein Leben lang dankbar“

Ausdrücklich bedankt sich Tim Fischer für die Unterstützung durch das German Sailing Team: „Fabi und ich wurden von Tag eins an unterstützt, auch in Phasen, wo es schwierig war und wir keine Top-Ergebnisse erzielt haben. Ohne diesen Support wären wir nicht so erfolgreich gewesen.“

Bei seiner dualen Karriere sei ihm der Verband immer entgegengekommen, sagt der angehende Consultant. „Der DSV und speziell Sportdirektorin Nadine Stegenwalner haben mich immer hundertprozentig unterstützt, auch wenn ich während meiner Praktika teils mehrere Monate nicht trainieren konnte.”

“Dem Support der Verbände, der Bundeswehr, der Sporthilfe, meiner Sponsoren, dem Norddeutschen Regatta Verein, dem Yacht Club Ludwigshafen Bodensee, meiner Familie und von Fabi werde ich ein Leben lang dankbar sein.“

In einem Video erklärt Tim Fischer seine Beweggründe:

“Segelprofi zu sein, war nie meine einzige Identität. Von Anfang an habe ich eine anspruchsvolle duale Karriere angestrebt. Meine Leidenschaft für den Segelsport geht mit einem hohen Zeitaufwand einher. Diese Energie möchte ich nun in meinen zukünftigen Beruf als Unternehmensberater investieren. Mich dem Olympischen Segelsport so zu widmen, wie ich es in der Vergangenheit getan habe, passt für mich nicht mehr zusammen. Meine Ziele haben sich verändert.”

2018 gelang dem Duo der Durchbruch in der internationalen Elite der 49er-Klasse. Mit WM-Bronze vor Aarhus sicherten sie Deutschland den Olympia-Startplatz in Tokio. Doch in der internen deutschen Ausscheidung konnte sich das junge Duo nicht gegen die späteren Bronze-Gewinner Heil/Plößel behaupten. Nach der enttäuschenden WM von Geelong/Australien legten  der 27-jährige Steuermann und sein 25-jähriger Vorschoter eine Denkpause ein. Zur EM 2020 am Attersee in Österreich taten sie sich noch einmal zusammen und gewannen prompt den Titel. Ein Ergebnis, das sie in der Entscheidung bestätigte, einen erneuten Anlauf zu wagen.

Bei der EM in Griechenland segeln sie wieder um den Sieg und holen schließlich Silber, genauso wie bei der WM im November 2021. Dabei war Fabian Graf schon auf Abwegen unterwegs. Er probierte sich als 470er-Vorschoter und überlegte einen Umstieg. Außerdem gehört er zu den besten Wing-Foilern in Deutschlands und flog auch schon bei Meisterschaften.

Aber Platz 16 bei der WM Anfang September verpassten sie wie auch die Doppel-Olympioniken Heil/Plößel sogar die Gold Fleet und wurden 34.

Quelle: German Sailing Team

Ein Kommentar „Karriere-Ende des Vize-Weltmeisters: Hoffnungsvolle Olympia-Crew Fischer/Rieger hört auf“

  1. avatar pl_gloria-clausen sagt:

    Also mit den Nachnamen habt ihr es im Artikel nicht so… Das Duo Graf/Rieger?!

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