Braschosblog: Promi-Architekt Volkwin Marg und sein Dreimaster „Activ of London“

„Ich glaube ich hab’ ne Macke“

Der Bramsegelschoner "Activ of London" vor Grönland. © Activ of London

Der Bramsegelschoner “Activ of London” vor Grönland. © Activ of London

Mit alten Arbeitsseglern kann ich wenig anfangen: Derb zusammengefügtes Gebälk, dickes Tuch, das sich bei auffrischendem Wind weder durchsetzen noch dichtholen lässt. Ein Instandhaltungsalptraum mit Schiffsglocke, auf dem irgendwelche Pfeife rauchende und schlimmes Seemannsgarn spinnende Charakterdarsteller mit steter Peilung zur nächsten Flasche herumsitzen und mit steigendem Pegel von der angeblich guten alten Zeit schwadronieren. Oh Nee.

Ich verstehe, dass es Zeitgenossen gibt, die – koste es was es wolle – irgendeinen ollen Ewer aus dem Schlick ziehen und gegenüber des erschreckend nüchternen Hamburger Containerterminals Burchardkai vor die rostigen Spundwände des Museumshafens Oevelgönne an die Elbe legen. Das muss genau so sein. Klar. Aber kann man sowas segeln?

Fischerhemd und Holz-Klocks

Ich verstehe auch das Bedürfnis, sich am Wochenende für einen maritimen Jahrmarkt zu kostümieren und im Finkenwerder Fischerhemd und Holz-Klocks wie anno dazumal über das wellige Pflaster der Flensburger Schiffbrücke zu schlurfen. Es gibt ja auch Ritterspiele oder Mittelalterfeste mit Kupferklöppeln und Korbflechten für Erwachsene.

Der Promi-Architekt und Segel-Enthusiast Volkwin Marg als Karrikatur. © Activ of London

Der Promi-Architekt und Segel-Enthusiast Volkwin Marg als Karrikatur. © Activ of London

Ich finde das aber so eigenartig, wie das Bedürfnis manches Österreichers heute in der habsburgischen Uniform des 1891 gegründeten K.u.K Yacht-Geschwaders gewandet abzulegen. Aber bitte – jedem seine Folklore, ja? Nur seglerisch sind die Traditionsschiffe nicht meine Welt. Die Kübel gehen nicht an den Wind und kreuzen wie ein Bund Stroh.

Vor einer Weile war ich anlässlich der Flensburger Rumregatta mal auf der „Willow Wren“ von 1886 unterwegs. Bei frischem West mit ein bisschen Nord drin ging es von der Holnisser Halbinsel mit passabel dichtgeholten Schoten am Wind zurück nach Flensburg, als sich ein schwarzer Dreimaster mit einem Dutzend Segeln majestätisch an uns vorbei schob.

Fand ich irre, dass man mit so einem dicken Kübel richtig ran konnte. Dass in der überschaubar breiten Förde auf so einem unhandlichen Schiff einschließlich der drei Rahsegel alles gesetzt war, erstaunte mich noch mehr. Auch fuhr das versiert gesegelte Traditionsschiff eindeutig besser als ein Bund Stroh.

Dänisch hoch am Wind?

Waren die da drüben womöglich „dänisch hoch am Wind“ mit dezent mitschiebendem Motor unterwegs? Ging es da noch mit rechten Dingen zu? Oder war es einfach mal Zeit, ein paar Vorurteile zu versenken?

Zwei Jahre später sitze ich auf dem Schiff, als sich die vierhundert Tonnen dänische Eiche durch den Schwanenhals am Ausgang der Flensburger Förde schieben. Es hat sich eine Gelegenheit ergeben, Volkwin Marg (75) zu begleiten, einen der bekanntesten deutschen Architekten, der zuletzt unter anderem mit der Gestaltung von EM-Fußballstadien in der Öffentlichkeit stand. 

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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3 Kommentare zu „Braschosblog: Promi-Architekt Volkwin Marg und sein Dreimaster „Activ of London““

  1. avatar Berliner sagt:

    Wenn der Chef ständig segelt, kann das mit dem Berliner Flughafen ja auch nichts werden 😉

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/architekturbuero-gmp-in-der-kritik-grosse-bauten-hohe-kosten/6623128.html

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  2. avatar Backe sagt:

    Ich persönlich mag Schiffe auch lieber als Flughäfen … ;.) Danke, Brascho, für einen weiteren sehr lesenswerten Bericht. (Mehr Bilder wären schön gewesen…)

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  3. avatar Manfred sagt:

    Wow!, mal wieder ne echte Braschos Schreibe. Und informativ dazu.
    Und er treibt sich wohl doch hin-und wieder in diesen Museums Häfen, Kappeln, Oevelgönne usw., herum. Warum auch nicht. Immer einen schönen Hafenspaziergang wert, nachdem man ordentlich durchgeweht wurde auf seiner Eierfeile.
    Auch Danke für den schönen Artikel.

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