Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist

Lebenszeichen von Wally

Nach dem Novitäten-Feuerwerk des italienischen Yachtweiterentwicklers Luca Bassani wurde es die vergangenen Jahre ruhig um seine Marke Wally. Nun wird der dritte 100 Fußer gebaut. Geht es Wally gut?

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Die beiden Wallycento ‘Hamilton’ und “Magic Carpet 3′ bekommen eine Schwester © Gilles Martin-Raget/Wally

Das liegt an der geplatzten New Economy-Blase und weiteren Eintrübungen des Wirtschaftslebens. Sie hinterlassen seit einem Jahrzehnt heftige Bremsspuren in der Luxusgüterindustrie Yachtbau. Es liegt auch an hausgemachten Problemen: Bassani ist ein Mann mit vielen Ideen.

Das führte zu einem innovativen Overkill. Es brachte seinen damaligen Konstrukteur German Frers zur Verzweiflung, dass Bassani einen seiner 88 Füßer mit allerlei bremsenden, aus- und einziehbaren, dreh und schwenkbaren Anhängseln versehen wollte. So wie es heute bei abgefahreren Maxis a la „Wild Oats“ üblich ist. Man kann da so viel falsch machen oder vergessen.

Schwimmende Privatinsel

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Die beiden neuen Wally 100 Füßer ‘Magic Carpet 3’ und ‘Hamilton’ von 2013 und 12 © Rolex-Carlo Borlenghi

Abgefahren, schräg aber auch konsequent gedacht war Bassanis Idee, Yachten als schwimmende Privatinseln zu kreieren. Seine Wallyisland war als palmenbestandener Privatfrachter noch vergleichsweise vernünftig. „Sowas kann man günstig in Fernost schweißen lassen“ meinte Bassani damals.

Ein Konzept wie die „Why“ als knapp 60 m langes, 40 m breites schwimmendes Objekt denken sich maritim begeisterte Absolventen eines Architekturstudiums aus, oder Luca Bassani. Es gibt zu dieser Kreation nur zwei Meinungen. Entweder Bassani hatte damals was geraucht. Oder das muss unbedingt mal gebaut werden. Allein schon, weil am 38 m breiten Heck so viel Platz für interessante Daysailer ist.

Das Ideenfeuerwerk hat einschließlich der 36 m langen Wallypower richtig Geld gekostet. Nun sind selbst die Ressourcen der Familie Bassani seit dem Verkauf ihrer Firma B-Ticino endlich. Wally ist schon lange kein Millionärs-Pläsier und Luca Bassani nicht mehr der beste Kunde seines eigenen Betriebs. Wally muss die Kurve kriegen, Geld verdienen.

Die 100 Fuß Wallys sind flacher, leichter und breiter geworden © Gilles Martin-Raget/Wally

Die 100 Fuß Wallys sind flacher, leichter und breiter geworden © Gilles Martin-Raget/Wally

Hinzu kamen Qualitätsprobleme, beispielsweise bei den drei Einsteigermodellen „Wallynano“. Ein klemmendes Schiebeluk, gesehen an Bord eines großen Wally-Einzelbaues ist eine banale Sache. So etwas lässt sich rasch beheben, keine Frage. Nur war es eben auch ein Beispiel des FIAT-Syndroms. Mit dieser Variante südländischen Schlendrians möchte man sich an Deck einer kostspieligen Yacht nicht befassen.

Wally beim Rivalen Baltic überholt

Die legendäre 30 m Ketsch „Nariida“ ex „Wallygator II“, jenes Schiff, das den charmanten wie cleveren Italiener weltweit bekannt machte, wird derzeit im Auftrag seines zweiten, eines norwegischen Eigners ausgerechnet beim finnischen Rivalen Baltic Yachts generalüberholt. Auch wenn die Finnen diesen Auftrag nicht an die große Glocke hängen. Dass ausgerechnet dieses Schiff bei Baltic zurecht gemacht wird, ist pikant. Die einst in Savona gegründete Wally Niederlassung für Garantie- und Wartungsarbeiten ist längst geschlossen.

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Aus dem Match- wird 2015 ein Fleetrace mit drei Booten © Gilles Martin-Raget/Wally

Als einer der ersten Journalisten, der Luca Bassani beim Bau der 24 m Slup „Genie of the Lamp“ im norditalienischen Erbusco kennenlernte, verfolge ich den Werdegang von Wally seit Anfang der neunziger Jahre. Bassani war im eigenen, natürlich Wally-grünen Hubschrauber vom Tessin zur Werft gekommen. Damals gründete er seinen Betrieb zunächst als Yachtbauträger, der das Boot für den Eigner in einer Werft seiner Wahl bauen lässt und segelfertig übergibt.

Später, Ende der Neunziger fragte ich Bassani einmal, wie er mit seinem Betrieb Geld verdienen könne, wenn die halbe Branche a la Wally baut. Bassani erklärte, es wäre ihm natürlich lieber, wenn das Original statt der Kopie gekauft würde. Dennoch sähe er kein Problem: „Erstens bestätigen die Nachahmer mein Konzept. Zweitens stellt Wally, wenn die Branche mein Konzept begriffen hat, bereits die nächste Generation von Yachten vor.“ Das Interessante an dieser selbstbewussten Antwort war, das sie meine Frage unberührt ließ.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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8 Kommentare zu „Wally Yachts: Dritte Wallycento im Bau – Wie es um die Edel-Marke bestellt ist“

  1. avatar Klaus sagt:

    “Das liegt an der geplatzten New Economy-Blase und weiteren Eintrübungen des Wirtschaftslebens. Sie hinterlassen seit einem Jahrzehnt heftige Bremsspuren in der Luxusgüterindustrie Yachtbau.”

    Die böse Wirtschaft und Ihre folgen auf die Superyachtbranche:

    2013 saw some interesting statistics for a supposedly downward turning industry.
    338 new superyachts were sold.
    79 Million was the most expensive.
    77m was the largest.
    180m was the largest launched.
    120m was the largest ordered.
    36m was the average length placed on order.
    235 superyachts were launched.

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  2. avatar Erdmann sagt:

    Klaus,

    1. die von mir erwähnte Entwicklung ist eine Tatsache, die nicht wegzureden ist. Wally hat vom Optimismus der New Economy profitiert. Dann platzte die Blase, kam 9/11 und so weiter. Doch das ist, wie im Artikel zu lesen, nur ein Teil der Geschichte.

    2. Deine Statistik ist ja ganz schön, nur bezieht sie sich überwiegend auf Motoryachten. Der Bau sehr großer Segelyachten war für Werften wie Abeking & Rasmussen beispielsweise entweder ein riskantes, zögernd wahrgenommenes Schaufensterprojekt – siehe „Extra Beat“, „Arrayan“ oder „Hetairos“ – oder wurde/wird, wie bei Lürssen – siehe „Twirlybird“ oder „Eos“ – nur ausnahmsweise gemacht.

    Große Werften bauen, wenn Sie erfolgreich sein wollen, sehr große Motoryachten. Das sind schon der Größe halber konventionelle, clever verpackte, mit Gadgets bestückte Verdränger. Die Branche nennt sich ‚Butterschiffe’. Butterschiffe gehen anscheinend immer.

    3. Zum Thema mittelgroße Segelyachten der 50, 80 oder 100 Fuß Kategorie:

    Sieh Dir mal die Produktbereinigung bei Nautor auf wenige, vergleichsweise konservative Modelle von 53 bis 115 Fuß an. Dazu den Versuch Ferragamos, eine eigene Motoryachtrange ins Laufen zu kriegen.

    Oder die Übernahme von Baltic Yachts durch die deutsche Firma Otto Bock: Den Versuch der Finnen das Geschäft mit Refits auch anderer Fabrikate abzupuffern, zugleich die gezielte Neuausrichtung auf Branchen, wo sich das abgefahrene Komposit Know How nun auch unterbringen lässt.

    4. Abpuffern: die holländische Royal Huisman Werft, hat längst eine Refitabteilung gegründet. Das ist mehr als Kundenbindung. Das ist laufendes Geschäft.

    Ein fehlender Großauftrag oder zwei fehlende kleinere Boote und es wird eng für solche Segelyachtspezialisten, die schon lange sehr gute Yachten bauen, einen Ruf, einen Namen haben. Also lassen die sich unterschiedliche Antworten einfallen.

    Wally überlebt mit Motorbooten und macht neuerdings jedes Jahr mit der nächsten Wallycento von sich reden.

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  3. avatar Christian1968 sagt:

    In jedem Fall mal wieder ein typischer Braschos-Artikel: einfach gut, superinteressant und mit Informationen, die zumindest ich sonst nirgends bekomme. Danke!

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  4. avatar x-claim sagt:

    Geht da nicht was durcheinander? Mit deinem Hinweis auf die geplatzte Blase der New Economy etc. deutest du doch an, das kein Geld da ist um solche Boote zu kaufen. Und Klaus listet auf, was so an Yachten im letzten Jahr verkauft wurde – egal ob Motor- oder Segelyacht: Geld ist da! Möglicherweise ist der Markt mit segelnden Superyachten übersättigt? Möglicherweise ist das Konzept des Herrn Luca Bassani doch nicht so genial?

    Wenn ich mir die Inneneinrichtung dieser segelnden Superyachten angucke, dann habe ich das Gefühl in der Designer Abteilung eines Möbelhauses zu stehen und nicht auf einer Yacht. Zum segeln sind diese Einrichtungen denkbar ungeeignet. Hierin unterscheiden sich auch Yachten wie Wild Oats und Wally. Die einen werden kompromisslos gesegelt, die anderen wollen auch im Hafen etwas “Her machen”. Das Problem ist meiner Meinung, das die Yachten alla Wild Oats immer schneller segeln werden als diese Yachten al’a Wallygator. Und ich kann mir nicht viele der potenziellen Kunden einer Wally vorstellen, die sich wegen des leckeren Cappuccino im eigenen Salon gerne vom Konkurrenten auf der Regatta-bahn überholen lassen.

    Das Wally Konzept funktioniert evtl. als Einheitsklasse – aber auch dort muss man sich dann die eigenen schwächen schön trinken. Man könnte auch sagen der schöne Schein der der Wallys hält nicht was er verspricht.

    Gehört hier evtl. nicht wirklich hin, aber: Neulich sah ich bei einem Yachtdesigner auf der Seite eine 44 Fuß Yacht mit 4 Kabinen und 4 (vier) Toiletten – natürlich für den Chartermakrt, aber ich frage mich ernsthaft – was soll son Mist?

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 4

  5. avatar andreas borrink sagt:

    Man kann über über Bassani sagen, was man will, aber er hat jedenfalls dieses wohl typisch italienische Gefühl für Formen und guten Stil.

    Für mich die absolute Traumyacht:

    http://www.wally.com/nano/

    Größer muss nicht und Pink kommt gut. Mit sowas an einem warmen Augustabend bei SO 3 nach Wedel und zurück, das würde mir völlig reichen. Immer schön bescheiden……..

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Leider ist die Konstruktion am Markt nicht so erfolgreich gewesen, wie von den Bassani/Hoek erwartet. Das mag auch daran liegen, dass in dieser Bootsgröße/Zielgruppe deutlich mehr Anbieter unterwegs sind und schon kurz danach ähnliche Boote den Markt “überschwemmten” – je nach Fasson sportlicher oder auch klassischer gelagert.

      VG

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      • avatar andreas borrink sagt:

        Habe aber noch keines gesehen, das auch nur annähernd so gut gelungen ist!

        Vermutlich haben die “potentiellen” Kunden sich beim Preis verschluckt. Den kenne ich zwar nicht, aber aus Giebelstadt, Greifswald oder Fronkreisch gibt es für den Kurs vermutlich 60 Füsse (mit 8 Klos UND Badeleiter)!

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Wenn ich das richtig in Erinnerung habe lag der Preis bei rund ner 1/4 Mio. EUR. Keine Ahnung ob das für die Zielgruppe ein Problem darstellt – ich gehöre (leider) nicht dazu ;-(

          VG

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