Edles Riva-Buch: Was Braschos plötzlich mit Motorbooten am Hut hat

"Was, ein Mobo?"

Nicht zufällig bei der zweitletzten Fahrwassertonne vor Weihnachten und ausnahmsweise mal in eigener Sache macht SegelReporter Erdmann Braschos auf sein Buch „Riva Tritone 258“ aufmerksam. Also Vorsicht: Eigenwerbung!

Riva

Der Riva Rohbau mit dem neu verlegten Deck in der Bahrenfelder Halle, gezeigt als Objekt © Nicole Werner/ATP Verlag Berlin

Vor einer Weile ruft ein Herr Börries aus Berlin an. Er meint, er hätte ein, zwei Artikel von mir gelesen. Ob ich mir vorstellen könne, ein Buch über sein Riva Motorboot zu schreiben.

Den ersten Reflex „Was, ein Mobo?“ unterdrücke ich. Denn der Anruf ist halt schmeichelhaft. Ich hätte solche Komplimente gern täglich. Am besten wenn die Einfügemarke gnadenlos auf der unbeschriebenen Datei eines neuen Artikels oder Kapitels blinkt. Wenn die Wörter klemmen. Wenn der richtige Satz grad nicht da ist.

Leider ist die Idee mit dem Riva Buch schlecht: Denn es gibt ein Regalbrett voll mit Riva Literatur, in der mehr oder minder das gleiche steht. Meist bilden solche Coffee Table Books den immer gleichen Lifestyle aus der Alles vom Feinsten-Abteilung zum Thema ab.

Noch so ein Buch? Bööh, nee! Tja, und dann macht ein Buch zum Boot wohl nur Sinn, wenn dieses das auch her gibt. Der historische 46 m Rennkutter „Lulworth“ von Anno 1920 ist bedeutend, der 90 m Schoner „Athena“ für das Buch zum Boot groß genug. Weil da so viele Gewerke und Geschichten drin stecken.

Da hängt halt von Haus aus schon gut Seemannsgarn dran. Der Stimme nach zu urteilen handelt es sich beim Anrufer um einen freundlichen Mann. Dem kann ich meine Skepsis zumuten. Natürlich sage ich ihm nur Punkt zwei. Denn wer will schon hören: „Sorry, aber Dein Boot ist zu klein.“

Ich kriege Pickel

Dennoch sitze ich zwei Wochen später mit Konrad Börries an Bord seiner Riva Tritone (deutsch: Meergott). Mit blauem Blazer und farblich wie stofflich dazu passender Hose ist er ungefähr so angezogen, wie ich mir als Pullover und Jeans tragender Segler einen prototypischen Riva-Eigner vorstelle.

Das Verdeck des Cabriolets ist nach hinten geklappt. Die türkis-beigen Polster auf denen im Sommer die Badenixen in die Sonne blinzeln sind weich. Wie eine gebrauchte Couchgarnitur. Fehlen bloß noch Sonnenöl und Puderdose in der Ablage. Ich kriege Pickel. Wo bin ich hier hingeraten? Was kann ein Segler über ein Motorboot schreiben?

Ich finde das Verfeuern fossiler Brennstoffe auf dem Wasser fragwürdig, seltsam, lächerlich: den Gestank, den prolligen Lärm, den lästigen Schwell, den Rußrotzer machen, unerträglich. Das stört friedliebende Angler, Anrainer, Enten, Fische, Vögel und Segler. Nicht meine Welt. Es gibt da keine Anschlüsse. Eher Unbehagen. Panik. Also: wie komme ich jetzt bloß wieder hier raus: aus dem Boot, der Halle, der ganzen Nummer.

Keine Hochglanzscheiße

„Und?“ meint der Herr Börries wieder mit seiner freundlichen Stimme. Ich druckse rum, will bloß weg hier. Aber er hat sich vorbereitet, zieht drei Fotos wie Asse beim Kartenspiel. Das erste zeigt die mit Wasserflecken und Pusteln gesprenkelte Stevenkappe. Das zweite den Blick in den teils erblindeten Rückspiegel. Das dritte das Boot am Haken hängend in schwarz weiß.

Wow, was ist das denn? Wer sieht, fotografiert denn noch so? Ja, mit solchen Bildern  kann man ein Riva-Buch machen. Eineinhalb Jahre später sitze ich wieder auf der Couch. Die türkis-beigen Polster sind neu und genau so gesteppt, als wäre das Boot Anno ‘66 aus dem schattigen Bootshangar der Riva-Werft geschoben wurden.

Die beiden Chris-Craft Achtzylinder grollen rhythmisch wie zu Frank Sinatras Zeiten. Die halbe, mit Tupperware aus Giebelstadt zugeparkte Meichle und Mohr Marina am Bodensee wackelt. Heute ist Krachmachertag und ich find’s klasse. So langsam wie möglich, mit abwechselnd ein- und  ausgekuppelten Motoren, schiebt sich die acht Meter lange Edelholzklasse mit blubbernden Auspüffen zwischen den bewaldeten Molen auf das Schwabenmeer.

Dann der Take Off. Mit fauchendem Gnören schieben die beiden Triebwerke mit neun Litern Hubraum dem Boot die Bugwelle unter den Bauch. Im Tiefflug geht es über das grün schimmernde Alpenwasser. Der Lärm bleibt in der Schneise zwischen den dem Heck enteilenden Gischtflagen zurück.

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Edles Riva-Buch: Was Braschos plötzlich mit Motorbooten am Hut hat“

  1. avatar o nass is sagt:

    Also defintiv ein Mobo, das einen schwach machen könnte. Genau wie eine Boesch. Sollte man aber nur im dunklen Anzug oder Smoking fahren. Und das leichte Cary Grant-Grinsen vorher üben. Oder so…

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 5

    • avatar SR-Fan sagt:

      Zustimmung. Wenn Mobo, dann sowas 😉
      Allerdings habe ich mich schon mal vom Spritverbrauch eines “normalen” V8 überraschen lassen – das vergisst man so schnell nicht.

      VG

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

  2. avatar Hemlocke sagt:

    Ach Braschi-Baby, seit Jahren machste uns mit deinen Edelholz Geschichten heiß und privat juckelste auf nem schnöden Plastikkahn rum.
    Das ist doch Wein predigen und Wasser saufen!

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  3. avatar RVK sagt:

    Der Teufel kommt immer in seinen schönsten Kleidern… aber am Ende gilt doch immer wieder: Bratze bleibt Bratze!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 23 Daumen runter 5

  4. avatar Sportbootjo sagt:

    Enteignet Spinger! Dann wäre das scharfe Riva Teil von Rudi Duschke, Dany le Rouge und Co über den Wannsee geprügelt worden, hoch nach Spandau und rüber in den Landwehrkanal bis zum Fundort von Rosa Luxenburg und Karl Liebknecht. Und dort zum Abschluß ein würdiges Wikingerbegräbnis für das Kapitalistenspielzeug aus Tropenholz!

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 7 Daumen runter 9

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