Jules Verne Trophy: Portrait von Seeheld Loick Peyron. 41mal über den Atlantik

Wahre Größe

Loick Peyron, inmitten seiner Fans. Die Franzosen lieben Seehelden. © BCPE

Er wird von vielen Seglern schlicht mit „genial“ bezeichnet. Andere nennen ihn das „Glückskind“. Dritte, verständlicherweise vor allem Familienmitglieder, sehen in ihm den Gipfel einer genetischen Evolution, die sich seit Generationen in der französische Sippe ihren Weg bahnte. In einem Punkt sind sich alle jedoch einig: Loick Peyron (52) ist ihnen ein Rätsel – und gerade deswegen ihr Held!

Kaum hatten Peyron und sein Team auf ihrem Trimaran Banque Populaire die „Ziellinie“ vor Ouessant passiert, machten sich Dutzende TV-Teams und Hunderte Journalisten und Fotografen bereit, die schnellsten Weltumsegler aller Zeiten in ihrem Heimathafen Brest gebührend zu empfangen.

Mehr als 5.000 Menschen drängten sich schon nachts am Kai, jubelten während der obligatorischen Champagner-Dusche der (noch auf den Netzen des Trimarans) feiernden Crew zu und versuchten schließlich einen Blick auf ihren wie einen Nationalhelden gefeierten Segelstar Loick Peyron zu werfen.

Spüren, wenn das Schiff hustet. Der Skipper steht immer unter Strom. © BCPE

Doch das war gar nicht so einfach, denn als der, umringt von Kameras und Mikrofonen, sich endlich über den Steg auf den Weg machte, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, war er kaum zu erkennen; der Mann mit der „eher mittelgroßen Statur“ (Loick über Loick) ging in der quirligen Menschenmasse schlicht unter!

Erst als er auf der großen Hafenbühne stand und es sich nicht nehmen ließ, auf charmante Art seine Banque-Populaire-Crew und deren Heldentaten während der 45tägigen Raserei auf den Weltmeeren vorzustellen (ohne dabei auf sich selbst einzugehen), wurde allen Anwesenden klar, dass auch beim Segeln wahre Größe von innen kommt. Und natürlich nichts mit der Statur zu tun hat…

Wahre Größe. Mit diesem Begriff wurde Loick Peyron während seiner gesamten Seglerkarriere immer wieder konfrontiert und letztendlich auch daran gemessen. Egal ob die Medien über Loicks phänomenale Regatterfolge auf allen Ozeanen berichteten, heldenhafte Rettungsaktionen während eben dieser Regatten beschrieben oder ihn in  langen TV-Interviews einfach „selbst wirken ließen“, immer wurde klar: Hier wird nicht nur ein segelndes Genie in Szene gesetzt, sondern zudem ein sympathisches. Nicht mehr, und nicht weniger!

Einer, der mit allem und allen klarkommt

Auch Sieger brauchen mal eine Auszeit. Gemütliche Lesestunde mit Stirnlampe. © BCPE

Mit 52 Jahren hat sich Loick Peyron endlich in die Rekordliste des (zumindest in Frankreich) mythischen Rennens Trophée Jules Verne eintragen, auf der sich ein anderer Peyron ganz oben, als erster einschrieb.

Tatsächlich gelang es Bruder Bruno, heute 56, erstmals in unter 80 Tagen auf dem Katamaran “Commodore Explorer” um die Welt zu brettern. 79 Tage und 11 Stunden brauchte er 1993 dafür – dass ausgerechnet sein jüngerer Bruder Loick diesen Rekord 19 Jahre später um einen Monat förmlich pulverisieren würde, war Bruno übrigens klar.

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Jules Verne Trophy: Portrait von Seeheld Loick Peyron. 41mal über den Atlantik“

  1. avatar T.K. sagt:

    Danke – sehr schöner Artikel!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 20 Daumen runter 0

  2. avatar Stumpf sagt:

    ditto

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  3. avatar Laser1 sagt:

    Schöner Beitrag, aber im Text steht einmal 4Kinder und im Lebenslauf unten 1 Kind. Hier geht es schließlich um seine Leistung.

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  4. avatar Lipton sagt:

    Loick Peyron bei seinem seglerischen Tun zu verfolgen ist eine wirkliche Freude.
    Auf vorbildliche Weise scheint er absolute Professionalität und Zielstrebigkeit zu verkörpern,
    jedoch ohne dabei die so häufig anzutreffende Verbissenheit auszustrahlen.
    Selbst in ekeligen Konkurrenzsituationen kann man sich seinerseits an kein unfair wirkendes Verhalten oder an irgndwelche geringschätzigen Bemerkungen gegenüber Wettbewerbern oder Verantwortlichen erinnern.
    Diese, über Peyrons lange Profikarriere hinweg zu beobachtende Konstanz von sportlich vielseitigem Erfolg und Fairness weist (bei aller Professionalität im Umgang mit den Medien) auf einen wahren Sportsgeist hin.
    Chapeau Loick!

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