Weltumseglung: Yvan Bourgnon überquert solo im offenen Kat den Atlantik

„Ein Törn für Psychopathen“

LINK zum Bourgnon Film (FRA) mit guten Segelbildern

 

Eigentlich wollte der Schweizer mit einem französischen Partner um die Welt segeln, doch schon auf den Kanaren trennten sich die beiden. Also segelte Bourgnon alleine weiter – wirklich ganz alleine?

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Angekommen auf Martinique © bourgnon

„Es war wie im Krieg! Millionen Wellen gegen mich und meinen Katamaran. Und ich lag zusammengekauert auf dem Ausleger, wie in einem Schützengraben!“  Yvan Bourgnon ist eigentlich nicht der Typ, der seine Heldentaten auf See mit gewissen Übertreibungen würzt. Er ist eher einer dieser Abenteurer, die „einfach machen“ und es dann anderen überlassen, daraus ein Epos zu basteln.

Doch nach dieser 20tägigen Überfahrt von den Kanaren nach Martinique, nach dieser ersten großen Etappe seiner geplanten Weltumseglung auf einem offenen 20-Fuß-Katamaran, kann auch der hartgesottene Schweizer Kat-Spezialist nicht mehr an sich halten.

Fototapeten-Stimmung gab's nur selten bei diesem Ritt über den Atlantik © bourgnon

Fototapeten-Stimmung gab’s nur selten bei diesem Ritt über den Atlantik © menard/bourgnon

„Es war das Schlimmste, was ich je erlebt habe! Ein Törn für Psychopathen! Ich hatte jeden miserablen Wind, den man sich nur vorstellen kann. Totenflaute in der Knallsonne, Totenflaute mit alter Welle, Böen von 0 auf 40 kn und mitten auf dem Atlantik fiel ein mehrtägiger Sturm mit 60 kn Windgeschwindigkeit über mich her, der den Katamaran und mich an die Grenzen brachte.

Gedreht wie ein Crepe

Ich hatte keinen Fetzen Segel mehr gesetzt und war dennoch im Dauersurf, das Boot kenterte mehrere Male, ich konnte es aber immer wieder aufrichten.“ Über Tage hinweg konnte Bourgnon nie länger als zehn Minuten am Stück schlafen, die Wasserlösliche Astronautennahrung hing ihm buchstäblich zum Halse raus.

Bourgnon weiter: „Doch dann folgte eine Kenterung, die mich fast das Leben gekostet hätte: Das Boot wurde wie ein Crepe gedreht, ich fiel ins Wasser und war noch mit der langen Lifeline am Boot festgemacht. Der Katamaran trieb sehr schnell ab, und ich schaffte es über einen gefühlt ewig langen Zeitraum nicht mehr, mich ans Boot heran zu ziehen!“

Er sei völlig erschöpft gewesen, nachdem er mit einem letzten Kraftaufwand doch noch den Kat erreichte , um ihn nach einer Ruhepause zwischen 4-5 m hohen Wellen wieder aufzurichten.

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Habe fertig – Selbstportrait auf dem Atlantik © bourgnon

Yvan Bourgnon hatte zudem mit einigen schweren Schäden am Boot zu kämpfen: Am Mast, an einer Querstrebe und zuletzt brach ihm noch eines seiner beiden Ruder. „Eigentlich hatte ich nur die letzten Tage so etwas wie Segelspaß, da hatte ich richtig schöne Surfs,“ berichtete er nach der Ankunft in Martinique. Obwohl sein Boot wie ein gerupftes Huhn aussah.

„Dann eben alleine!“

Doch warum war Yvan Bourgnon eigentlich alleine unterwegs? Ursprünglich war der Schweizer Kat-Spezialist, der zuletzt mit aufsehenerregenden Abenteuertörns in offenen Katamaranen von sich reden machte – rund Kap Hoorn, rund Korsika in Bestzeit (abgebrochen), 345 sm in 24 Std. – gemeinsam mit dem Franzosen Vincent Beauvarlet von Les Sables d’Olonnes im französischen Vendée gestartet, um mit 27 Stopps um die Welt zu segeln. Dafür wurde ein spezieller, offener 20-Fuß-Kat gebaut, der sich bisher lt. Yvan Bourgnon auch ganz gut bewährt habe. Der Clou: bei der Weltumsegelung sollten nur „alte“ Navigationsmethoden wie Sextant und Sternnavigation zum Einsatz kommen.

Doch schon die ersten Seemeilen, hinunter zu den Kanaren, scheinen nervenaufreibend gewesen zu sein. Es mussten mehrere Zwischenstopps eingelegt werden, die so nicht geplant waren: Nach Stürmen gab es Bruch am Boot, in Marokko mussten die beiden sogar einige Tage auf Ersatzteile warten.

Weltumseglung, Bourgnon

Geschafft: Eine schwierige Ozeanüberquerung , statt zu zweit, lieber alleine © bourgnon

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Michael Kunst

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11 Kommentare zu „Weltumseglung: Yvan Bourgnon überquert solo im offenen Kat den Atlantik“

  1. avatar <°((( ~~< sagt:

    Über den Sinn so einer Reise mag man geteilter Meinung sein, aber interessant sind die Fans:
    Sich bei so einer Aktion über das möglicherweise anwesende Begleitboot mokieren – das ist schon so ähnlich wie im Circus Maximus über die miese Qualität der Darstellung schwadronieren, wenn die Märtyrer den wilden Tieren vorgeworfen werden oder die Gladiatoren sich gegenseitig zerfleischen. Neandertaler.

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Ich glaube schon, dass es mental ein Unterschied ist ob Du da draußen völlig alleine bist oder noch ne “Fluchtmöglichkeit” hast. Seit solcher Experten wie z.B. Lüchtenborg ist ein Teil der Öffentlichkeit vielleicht auch skeptisch z.B. was die Verpflegung oder Ruhepausen des Protagonisten angeht – vor allem, wenn der mitfahrende Dampfer “versteckt” wird.
      Was natürlich nicht die Leistung schmälern soll.

      VG

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    • avatar Skiffy sagt:

      Das Problem ist doch nicht, dass das Begleitboot da ist, sondern nur dass so getan wird, als wäre es nicht da.

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      • avatar <°((( ~~< sagt:

        Ach? Das ist ein Problem?

        Genau darum gehts mir: Wird die Anstrengung für den Zuschauer dadurch weniger wert?

        Hat die gaffende Menge einen Anspruch darauf, zu erfahren, dass der Segler auf den ganz selbstmörderischen Unfug verzichtet?

        So richtig wertvoll wird es nur, wenn er sich wirklich – also: Wirklich wirklich – in Lebensgefahr bringt? Aber wenn er ein Sicherungsboot hat und es nicht sagt, dann ist das Betrug am ohnehin nichtzahlenden Zaungast?

        Macht Dir das im heimischen Sessel ein schöneres Gefühl, zu glauben, dass einer ertrinken könnte? Kribbelt es dann besser als wenn man weiß: “Och, da ist ja irgendwo ein Begleitboot, das ist doch nichts besonderes!”

        … mal ganz davon ab, dass die ihn im Notfall bei Nacht auch erstmal hätten finden müssen.

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        • avatar Skiffy sagt:

          Du verstehst es nicht oder?

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          • avatar <°((( ~~< sagt:

            Doch, ich fürchte, ich versteh Dich sehr genau: Die Sache ist für Dich nur dann interessant, wenn er wirklich um sein Leben kämpft, nicht wahr? Aber wenn da noch ein Begleitboot ist und er vielleicht noch eine Chance hat, davon zu kommen, dann ist für Dich kein Unterhaltungswert dabei.

            Und dass er die Sache mit dem Begleitboot nicht dazusagt, DAS ist so eine Art BETRUG an Dir, dem zahlenden Kunden, der ein Recht auf ehrliche Unterhaltung hat, oder? Füße hoch, Chips, Bierchen dazu, unten in der Arena ertrinken die Sportler, das haben sie dir ja so versprochen.

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        • avatar Heinrich sagt:

          Nochmal für ganz langsame:

          Es geht doch nicht darum, dass kein Begleitboot mitfahren soll, sondern dass man es einfach nur kommunizieren soll, wenn eines mitfährt!

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          • avatar <°((( ~~< sagt:

            Heinrich, wo wir schon auf Deinem Niveau sind, ich schreib es jetzt mal so langsam, dass wirklich jeder mitlesen kann:
            Das Sicherungsboot hat ja anscheinend nicht eingegriffen. Es geht nicht darum, was das Begleitboot mit dem Segler macht, sondern was es mit dem Zuschauer macht. Der fühlt sich anscheinend besser, wenn keines dabei ist, sonst wärs ja wohl egal. Und wenn eins dabei ist, dann muss der Zuschauer das genau wissen, denn er will sich so langweilige Events nicht ankucken. War das jetzt langsam genug?

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        • avatar x-claim sagt:

          Einen auf allein – nur ich und das Meer zu machen und dann ein Begleitboot dabei haben finde ich auch unredlich.

          Was macht der denn überhaupt dort? Er verdient sich seinen Lebensunterhalt, er lebt von dem “Nervenkitzel” den er so Krampfhaft zu verbreiten sucht. Ich bin es leid immer diese Geschichten von dämlich Unternehmungen zu lesen, die die Protagonisten immer nur gaaanz knapp überleben!

          Da guck ich mir lieber einen Flohzirkus an – der ist unterhaltsamer 🙂

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          • avatar Frank sagt:

            Wenn er das mit nem Begleitboot macht, ist das OK, nimmt aber teilweise schon den Sinn der Sache. Es klingt schon spektakulärer, wenn man über den Atlantik gesegelt ist, als wenn man sagt “ich bin ohne Pause 100 mal den Bodensee rauf und runter”. Man kann da auch noch so viel rumheucheln, selbstverständlich schwingt in die Leistung auch die Lebensgefahr mit rein, nach dem Motto:”Ui das trau ich mich aber nicht”. Wer was Anderes behauptet lügt. Grundsätzlich besteht Abenteuer darin seine Grenzen zu erkunden, und sich in Gefahr zu begeben. Jeder, der mehr macht als andere, der mehr riskiert als andere ist für uns, die die Messlatte normalhoch liegen haben ein Vorbild. Es gibt aber immer dümmliche Neider, die glauben sich zu erheben, indem sie andere runterziehen.

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  2. avatar Super-Spät-Segler sagt:

    Wenn er schon ein Begleitboot hat, warum gibt es dann keinen Film von seinen Heldentaten?

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